Die Chance – großartiges Kammerspiel

Eigentlich mag ich dicke Bücher. Ich finde es einfach schön, in einem Buch so richtig versinken zu können und für eine ganze Weile darin zu hausen. Aus diesem Grund mag ich auch keine Erzählungen, so gut ich auch „Nichts als Gespenster“ von Judith Hermann fand. Aber „Die Chance“ hat nur 224 Seiten, die man keinesfalls verpassen sollte.

Ein Kammerspiel ehelicher Abgründe

20180708_111049Neben kurzen Büchern greife ich an sich auch nicht zu deprimierenden Büchern, aber bei diesem Buch, sollte man entweder in einer glücklichen Ehe leben, oder zufriedener Single sein, ansonsten besteht die Gefahr, dass es einen runter zieht.

Stewart O’Nan zeichnet die Charaktere des Ehepaares einfach durchtrieben genau und erzählt jeweils aus der Sicht des einen oder anderen. Unfassbar, wie er sich dabei (und nur das kann ich wirklich beurteilen) in die Psyche der Frau versetzt, die der Wunsch Ihres Mannes wieder mit ihr zusammenzukommen mit Ekel erfüllt.

Die Story (Quelle Amazon)

Gemeinsam reisen Marion und Art Fowler zu den Niagarafällen, wohin sie dreißig Jahre zuvor auch ihre Hochzeitsreise geführt hat. In ihrem Gepäck befindet sich ihr restliches Barvermögen. Sie wechseln das Geld in Jetons und beziehen in einem Casino eine Hochzeitssuite. Arbeitslos und verschuldet, wie sie sind, haben sie nichts mehr zu verlieren. Ihre Ehe, von Seitensprüngen untergraben, steht vor dem Aus. Also greifen sie nach dem letzten Strohhalm: tagsüber beim Sightseeing, vor allem aber abends, im Casino. Sie spielen und setzen alles auf eine Karte.

Hinter den Kulissen

Das ist die emotions- und schnörkellose Beschreibung des Inhalts. Aber wie es geschrieben ist, macht den Unterschied. Er taucht tief in die Seelen beider ein und hält einem damit einen Spiegel vor, der manchmal ein bisschen weh tut und einen ein ander mal zum lachen bringt.

Ich vergleiche das Buch gerne mit einem meiner absoluten Lieblingsfilme, der eigentlich ein Theaterstück ist. Hier ist die ganz große Schauspielkunst von Christoph Waltz, Kate Winslet, Jodie Foster und John Reilly gefragt – ohne Schnitt, ohne Szenenwechsel.

Unbedingt ansehen und unbedingt lesen.