Der perfekte Bissen

Gestern war ein ganz wunderbarer Tag, an dem ich den Kontakt zu alten Freunden erneuern und zu neuen Freunden vertiefen konnte. Nach einem langen, weinseeligen. lustigen und auch sehr heißen Tag kam ich spät nach Hause. Vor lauter Begeisterung und auch wegen der Hitze hatte ich das Essen nach dem morgendlichen Müsli völlig vergessen, so dass ein Mitternachts-Imbiss her musste. Beim Verzehren desselben kam ich ins sinnieren…

Der perfekte Bissen

Unter anderem kam mir während des Verzehrs meines very basic Menues – frische Tomaten, Fischstäbchen und geröstetes Brot von gestern – in den Sinn, dass ich immerzu versuche den „perfekten Bissen“ zu mir zu nehmen.

Ich habe meinem Mann mal versucht zu erklären, was es damit auf sich hat, da er das eine oder andere Mal kopfschüttelnd meinen aufwendigen Bemühungen gefolgt ist…

Am einfachsten ist es auf Barbara Streisand in dem Film „Liebe hat zwei Gesichter“ zu verweisen, in dem sie eine wunderbar spitzfindige, intelligente, aber ein wenig dickliche Professorin spielt, die dem ausufernden Lebemann, gespielt von Jeff Bridges (the legendary „Dude“ aus The Big Lebwoski“), über eine Kontaktanzeige begegnet. Er trifft sich sonst eher mit den Modeltypen, will sich aber nicht länger von Leidenschaften ablenken lassen und sucht deshalb eine schlaue, „unattraktive“ Frau. Jedenfalls gehen die beiden bei ihrem ersten Date Essen und anders, als die magersüchtigen, aber dämlichen Modeltypen, mit denen er sich sonst trifft, ist sie eine Frau, die zwar reichlich Diäten ausprobiert hat, aber endlich zugunsten des Genusses aufgegeben hat Essen zu widerstehen.

Nebenbei bemerkt ist sie besonders getrieben durch das wunderschön schlanke und elegante Vorbild ihrer zynischen Mutter, die ihre „missratene“ Tochter unter die Haube bringen will, gespielt, wie könnte die Rolle besser besetzt sein, von der unglaublichen Lauren Bacall, die auch im Alter nichts von ihrem Glamour verloren hat.

Beim Essen, dass bei ihr sehr lang dauert, während er längst aufgegessen hat, hält sie ihm den für mich legendären Vortrag über „den perfekten Bissen“, den ich auch meinem Herzblatt bereits gehalten habe.

Dudeismus versus „der perfekte Bissen“

Was der perfekte Bissen ist? Nun, es ist die Kombination aller Zutaten auf dem dargereichten Teller auf einer Gabel. Ich hätte jetzt nicht zwingend den Film gebraucht, da ich schon vorher, instinktiv, dieser Philosophie gefolgt bin, aber Frau Streisand erklärt es dem „Dude“ in diesem Film derart eloquent und überzeugend den „perfekten Bissen“, dass man unweigerlich gleiches anstrebt.

Beim „perfekten Bissen“ ist eine Vielzahl an Zutaten bei einem Gericht natürlich eine besondere Herausforderung, denn da muss man gelegentlich wirklich minimalistisch werden, schließlich ist die Fläche der Gabel endlich. Natürlich kann man durchaus in die Höhe stapeln, allerdings ist das nur Profis angeraten, denn das Balancieren von Teller zu Mund birgt peinlich Momente, wenn auf halbem Weg die Hälfte verlorengeht und gegebenenfalls nicht direkt auf den Teller zurückfällt 😉

Man Mann hält das für ziemlich idiotisch. Die Mitessenden sind eventuell ein bisschen irritiert, dass sie mit dem nächsten Gang, oder der Zigarette warten müssen, weil ich noch am Essen bin, aber am Ende des Tages muss man es doch als Hommage an den Koch betrachten, schließlich hat er sich etwas dabei gedacht eben diese vielen Komponenten auf einen Teller zu bringen, oder?

Die Gerichte, die ich – egal zu welcher Uhrzeit – zu Hause machen bestehen aus diesem Grund immer aus wenigen Zutaten. Ich mag es wirklich basic, weswegen die Qualität der wenigen verwendeten Produkte auch gut sein muss, da man jedes einzelne auf jeder Gabel, bei jedem Bissen genau schmeckt.

Zum Beispiel Tomaten, Avocado mit Brot. Bei der Hitze ein wunderbares, gesundes und nahrhaft-leichtes Gericht.

Einfach auch Tomaten, Vollkornfischstäbchen (müsst Ihr mal probieren, die Panade ist super lecker knusprig) mit geröstetem Brot vom Vortag.