Fuminori Nakamura – Die Maske

Ich habe dieses Buch aus zwei Gründen gekauft. Zum einen hat mich das Cover angesprochen, zum anderen wird Nakamura mit Haruki Murakami verglichen, der einer meiner erklärten Lieblinge ist.

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Es geht um das Kind eines bösartigen, aber mächtigen japanischen Klans, der als 11-Jähriger von seinem Vater erfährt, dass dieser ihn nur zu einem Zweck gezeugt hat. Er soll der Menschheit ein Geschwür sein. Er soll ausschließlich böses tun und alles und jeden zerstören, der ihm über den Weg läuft. Hätte er seinen Vater nicht schon zuvor gehasst und gefürchtet, so wäre es wohl sicherlich nach dieser Ansage der Fall gewesen, also beschließt er folgerichtig seinen Vater zu töten.

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Er muss es tun, denn sein Vater, der ebenfalls als Geschwür gezeugt wurde und seiner Bestimmung alle Ehre gemacht hat, bedrängt das Mädchen, dass er liebt, das Waisenkind Kaori. Als er herausfindet, dass sein Vater ein geheimes Zimmer unter dem Keller als amouröses Boudoir hält, wo auch Kaori für ihn tanzen und sich entkleiden muss, festigt sich sein Plan, den er in die Tat umsetzt.
Fortan hat sein Leben nur noch einen Sinn: Kaori beschützen. Aber er muss es von der Ferne tun, denn seiner Familie kehrt er den Rücken, lässt sich chirurgisch sein Gesicht in das eines verschwundenen ändern und lebt fortan unter falschem Namen. Geld hat er genug und so setzt er einen Detektiv exklusiv darauf an, Kaori zu überwachen. Jeder, der ihr Böses will, wird aus dem Weg geräumt. Selbst sein Bruder, der Nachfolger seines Vaters als mächtiges Oberhaupt des Klans. Alles wird so arrangiert, dass es nicht zu seiner neuen Identität zurückverfolgt werden kann. Alle Fäden des Netzes werden sorgsam zerstört.
Doch zwei Umstände drohen das mühsam konstruierte Dasein ins Wanken zu bringen. Er trifft Kaori persönlich und es wirft ihn regelrecht um. Die Versuchung sich zu offenbaren wird übermächtig, umso mehr, als Kaori immer noch an ihre Jugendliebe denkt und kein eigenes Glück gefunden hat.
Und da ist noch der Kommissar, der das ‚Verschwinden‘ seines Vaters und ein paar mit dem Klan in Zusammenhang stehenden ‚Selbstmorde‘ untersucht. Er lässt einfach nicht ab von ihm in seiner neuen Identität, denn das angenommene Leben stand in der einen oder anderen Beziehung zum Klan. Nachweisen, kann er ihm aber zunächst nichts.

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In einer Rezension auf Amazon beschreibt Jemand das Buch als „verstörend“ und das trifft es. Auf japanische Autoren muss man sich einlassen.

Die Bücher aus dem japanischen, wie auch das vorliegende, die ich gelesen habe, sind alle ungeheuer fantastisch (im wahren Sinne des Wortes). Sie sind gerne mal düster, ein bisschen schwermütig und für uns Europäer sicherlich verwirrend. Viele Traditionen sind für uns ganz und gar nicht nachvollziehbar, aber das geht Japanern mit uns vermutlich ebenso.

Man muss sich also darauf einlassen, neugierig sein, nicht zurückschrecken und in der sprachlichen Eleganz aufgehen. Denn das haben alle Japaner, die gelesen habe, gemeinsam. Eine unglaublich feine Sprache, ein besonderes Gefühl für bildhafte Beschreibungen und einen psychologischen Touch.

Wer etwas einfacher als mit Murakami oder Nakamura starten möchte, dem seien die wundervollen Romane von Yoko Ogawa empfohlen. Einer meiner Lieblinge ist sicherlich „Das Geheimnis der Eulerschen Formel„.

Abschließend möchte ich sagen, dass mir der Roman sehr gut gefallen hat. Kein Pageturner, weil er dazu zu kompakt ist, zu anspruchsvoll, aber ich habe meine Lesemorgende bei Müsli auf dem Balkon sehr gerne mit diesem Abgrund von einem Buch verbracht und mir gleich ein paar neue Japaner zugelegt 😉

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