Die coolsten Wirte weit und breit – Ludwig

Ich erwähnte ja schon das eine oder andere Mal, dass ich ein echter Wiesbaden Fan bin, möge es in den Augen anderer Großstädter so langweilig sein, wie es wolle. Es gibt mindestens zwei Orte, vielmehr zwei (drei) Wirte, die ihresgleichen suchen. Einer davon ist das Ludwig in Wiesbadens‘ Altstadt.

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Die ‚Legende‘ besagt, ein in Wiesbaden gestrandeter Bayer habe sich sein bayrisches Lieblingsrestaurant hier nachbauen lassen. Sieht man die Details, mag man es fast glauben. Männlein und Weiblein haben auf den urigen Holztoilettentüren Sissy und Ludwig Embleme.

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Hier geht es zu den Toiletten mit Sissy und dem Kini

Ok, so richtig druchgängig Bayrisch ist es nicht wirklich, esse ich doch mit Vorliebe die Nordseekraben auf Rührei und Graubrot und trinke dazu einen Äppler (für Nicht Hessen: Apfelwein), aber es gibt natürlich auch das gute Augustiner vom Faß, dass bei einer anderen Essensauswahl, wie beispielsweise den Weißwürsten, oder anderen herzhaften Gerichten, ausgiebig genossen wird.

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Chefin Irmgard kocht einfach super leckere Hausmannskost, während Ihr Mann Harald für das getränkemäßige Wohl und die Unterhaltung zuständig ist.

Zu Grüner Soße, oder Salat beispielsweise gibt es dann, wenn man ein netter Gast ist zumindest, den Schenkelklopfer des Tages. Mit einem super verschmitzten Lächeln kommt Harald dann an den Tisch und fragt: „Kennt Ihr den?“ Müsst Ihr Euch jetzt auf hessisch vorstellen…

Unterhält sich ein älteres Paar. Sagt der Mann: Du, isch lass mich scheide, Du bist mir zu kindisch. Sie: Hihi, Du hast Scheide gesacht.

Also ich hab mich weggelacht.

Die Küche ist einfach, aber genial. Sehr saisonal und mit viel Liebe in einer winzigen Küche gemacht. Ganz erstaunlich, wie Irmgard das managed. Und cool ist sie obendrein. Als ich mal draussen beim Rauchen stand, kam sie dazu und steckte sich eine an. Ich war erstaunt: „Du rauchst?“ Irmgard furztrocken „Am liebsten beidhändig.“

Ich sach nur: weggelacht.

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Es gibt immer eine besondere Karte mit Empfehlungen. Die Sachen, die nicht auf der Stammkarte zu finden sind. Die Preise sind angesichts der Leistung und der Portionen absulut angemessen.

Das Ambiente ist urgemütlich.

Und manchmal passieren im Ludwig wundersame Dinge. Kürzlich waren wir noch recht früh dort (deswegen die freien Plätze – das Ludwig ist generell ziemlich gut besucht). Der einzige besetzte Tisch, war voll mit älteren Herrschaften. Natürlich hatte ich meine Ohren mal wieder überall und lauschte erstaunt den Herren, die von Ihren Facebook Accounts sprachen und sich gegenseitig technische Tipps gaben, wie sie was hochladen oder teilen können. Erstaunlich genug kam gleich darauf eine Gruppe wirklich junger Kerle (schätze mal zwischen 16 und 18 Jahren) herein, die sich gleich an den Tisch neben uns setzten. Wir nehmen am liebsten den Hochtisch gleich am Fenster, da hat man den perfekten Überblick nach drinnen und draußen. Die Jungs machten ganz schön Radau, wie es sich für Ihre Generation gehört, aber sie taten etwas ganz und gar bemerkenswertes. Sie spielten Karten. Und zwar ausschließlich. Da war kein Handy weit und breit. Ich war so fasziniert, dass ich einen heimlichen Schnappschuß gemacht habe.

Mea culpa.

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Das ist aber noch lange nicht das einzig wundersame, dass ich jemals bei den beiden erlebt habe.

Vor etlichen Jahren begab es sich, dass wir sehr lange im Ludwig saßen. Harald hatte uns zwischendurch Fotos aus seiner Tausendsassa Zeit in den 70igern gezeigt (Meister im Formationstanz und vieles mehr) und sich ein Schnäppschen mit uns genehmigt. Wie so häufig, fingen mein Mann und er an über Musik zu sprechen. „Apropos“, sagte Harald „Ich hoffe, ihr mögt die Oper.“ Sprach’s, ließ die Leinwand runter, die auch bei Fußballübertragungen dient und schaltete die ‚Night of the Proms – live aus London‘ ein. Also wir lieben die Oper und genossen, dass Harald schön aufgedreht hat. Die anderen Gäste haben sich der Begeisterung entweder angeschlossen, oder nicht.

Und natürlich nicht zu vergessen das alte Ehepaar, dass jeden Freitag mit dem Taxi vorgefahren kommt, sich mühsam die zwei Stufen am Eingang hochzieht (für sie gibt es das kleine Geländer), gemeinsam isst und trinkt und sich dann wieder mit dem Taxi abholen läßt. Nachdem man eigentlich die Uhr nach Ihnen stellen kann, macht Harald sich auch echte Sorgen, wenn dieses reizende Pärchen nicht erscheint.

Die beiden zu diesem Foto zu nötigen, war nicht ganz einfach. Rampenlicht ist nicht so ihres, obwohl es ihnen durchaus gebührt.

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Harald, Irmgard und ich

Ich freue mich jetzt schon auf meinen Geburtstag, selbst wenn es der 50. ist. Im Dezember werde ich – wie schon einmal – ein Weißwurstfrühstück beim Ludwig machen. Eine äußerst vergnügliche Angelegenheit kurz vor Weihnachten. Ich werde berichten 😉

Der andere tolle Wirt, den ich in einem folgenden Beitrag beleuchten werde, ist Albert vom Café à’petit. Ebenfalls im sogenannten ‚Schiffchen‘, der Altstadt Wiesbadens‘. Genau eine Parallelstraße weiter. Auch hier geht es wahrlich wundersam zu 😉