Allmen, die literarische Verkörperung eines Gentleman Gauners

Die Allmen Reihe von Martin Suter stellt mich immer wieder vor die Herausforderung, so langsam zu lesen, wie es mir eben möglich ist.

Warum? Na, weil man so lange wie möglich schmökern möchte…

Mit Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, der über die Jahre exzessiver Verprassung seines ererbten Vermögens in eine finanzielle Schieflage geraten ist, hat Martin Suter einen Protagonisten erschaffen, den man sofort ins Herz schließt.

Im Auftakt der Krimiserie „Allmen und die Libellen“ erfährt man über Müßiggänger Allmen, dass er sein Millionenerbe verpulvert hat und nun vor dem Scherbenhaufen seines finanziellen Ruins steht. Seine Villa muss er verkaufen, Gläubiger werden ungeduldig und akzeptieren keinen Aufschub mehr. Nur Butler Carlos, hält zu ihm und wird schnell zum „Mädchen für alles“. So auch bei der Idee Kunstgegenstände zu rauben, um wieder liquide zu werden. Da für Allmen Arbeiten nicht infrage kommt, wird er zum Dieb teurer Antiquitäten, mit denen er sich bestens auskennt. Allein Dieb zu sein, kommt für den distinguierten Allmen natürlich nicht in Frage, also gründet er mit Faktotum Carlos eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie.

Bislang sind 4 Allmen Bände erschienen, die ich alle uneingeschränkt empfehlen möchte.

Natürlich habe ich mir den aktuellen 5. Band auch sofort und gekauft und schwupps verschlungen.

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Wieder ist es etwas eng in der Kasse von Privatier Johann Friedrich von Allmen, so dass er seit einiger Zeit auf die Zuwendungen seines Dieners Carlos angewiesen ist, der gemeinsam mit seiner Frau dafür sorgt, dass der schöne Schein aufrechterhalten bleibt. Da derzeit einfach keine Aufträge zur Wiederbeschaffung bei Allmen International Inquiries vorliegen, muss Allmen selbst zum Langfinger werden.

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Bei einem der zahlreichen gesellschaftlichen Anlässen, zu denen Allmen eingeladen ist, vergreift er sich an einem exquisiten Porzellanpüppchen. Dumm nur: er wird dabei beobachtet. Der ihm bis dahin unbekannte Securityfachmann Krähenbühler, den er nicht erwartet hatte, stellt ihn und droht den Vorfall publik zu machen. Schlimm genug, nicht über unbegrenzte Mittel zu verfügen, aber diese Schande könnte Allmen nicht ertragen. Er lässt sich auf die Erpressung des skrupellosen Mannes ein und wird zum geplanten Auftragsdieb.

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Bei der erpressten Beschaffung geht es um erotische Porzellankunst, die in Massen in einem Lagerhaus ihr Dasein fristen. Der Einbruch gestaltet sich mit Hilfe von Carlos als relativ einfach. Ungünstig nur, dass niemand das Verschwinden bemerkt, so dass auch niemand eine Wiederbeschaffung beauftragt, von der alle profitieren wollten.

Es gilt ein zweites Mal einzusteigen und dieses Mal Spuren zu hinterlassen. Nachdem das gelungen ist, lernt Allmen den alten Sammler und Magnaten kennen, dessen frivole Porzellankunst Allmen International Inquiries diskret auffinden und verschwinden lassen soll. Denn, die Freizügigkeit passt nicht zum Leben des alten Mannes und seiner Enkelin, die einer streng gläubigen Sekte angehören.

Allmen, der Frauen ein bisschen wie Porzellan, als schöne Gegenstände betrachtet, verliebt sich Hals über Kopf in die junge, keusche Enkelin. Sein Verbrechen kommt ihm in ihren unschuldigen Augen noch viel schlimmer vor und also leistet er Abbitte und versucht den Erpresser loszuwerden.

Der Plot spitzt sich zu und ist über die immer charmante Szenerie hinaus auch wirklich spannend, denn wer würde denken, dass Frau Unberührt es faustdick hinter den Ohren hat….

Mehr wird nicht verraten. Höchstens soviel: ich liebe eigentlich alle Romane von Martin Suter. Sein Erzählstil ist unprätentiös und präzise, um nicht zu sagen lakonisch. Nachdem ich mal ein Interview mit ihm gesehen habe, ist klar warum, denn genau so ist er selbst.

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