Neulich im Wäschehaus – Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

Schon eine ganze Weile lang suche ich eine Art Negligé Kleid, dass ich unter groben Pullovern, oder unter anderen Kleidern tragen wollte. Ich hatte da mal ein fantastisches Bild bei Instagram gesehen und war hochgradig inspiriert (ein klarer Vorteil von Instagram). Zu diesem Zweck bin ich mit gleich mit einem der fraglichen Pullover, einem Kaschmirtraum von Sminfinity, losgezogen.

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Sminfinity Kaschmir Pullover, Hose Calvin Klein, Schuhe Marc Cain

Da ich im Rest der Stadt und auch im Internet schon gesucht hatte, machte ich mich auf den Weg zu den Spezialisten, Wäschehaus Ann in Wiesbaden.

Es war mein erster Besuch und außer mir war nur eine einzige Kundin im Laden. Eine, die es in sich hatte…zunächst war ich ganz konzentriert auf meine Suche und nahm zusätzlich gerne das Angebot der netten Verkäuferin an. Meinen Vorstellung kam im Grunde nichts wirklich nah, aber es gab dennoch das eine oder andere, was ich anprobieren wollte.

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Kleid Max Mara Sport, Hemdbluse Closed, Schuhe Converse

So zum Beispiel dieses schimmernde Kleid von Max Mara Sport, dass es dann auch zu mir nach Hause geschafft hat 😉

Je länger ich rumschaute, desto bewusster wurde ich mir der anderen Kundin, die es offenbar auch drauf angelegte, da sie lauthals vermeintliche Weisheiten und vor allem Unverschämtheiten tönte. Schon zu diesem Zeitpunkt bewunderte ich die stoische Ruhe der Verkäuferin, die ein Teil nach dem anderen herbei holen musste, wobei natürlich keines gut genug war und achtlos auf die Theke geworfen wurde.

Ich entschied mich derweil für das Kleid und poste auch in Verbindung mit dem Oversize Pullover (der leider farblich nicht passt) vor dem Spiegel.

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Derweil fühlte die dreiste Kundin sich bemüssigt, mich ungefragt zu beraten, oder eher – zu bevormunden:

Das können Sie ja höchstens zu Hause tragen. Sieht ja wie ein Sack aus. Würde ich nie in der Öffentlichkeit anziehen.

Ich nahm sie kurz in Augenschein, brummte Unverständliches und beschloss sie nach Kräften zu ignorieren, was sie mit immer leiser werdendem Gepolter quittierte.

Sie zu ignorieren, wurde allerdings zunehmend schwieriger, denn nunmehr hielt sie einen kleinen Vortrag darüber, wie perfekt sie doch sei (offenbar vollkommen provoziert von meiner Unförmigkeit). Tatsächlich. Wortwörtlich. Ungelogen. Es war unfassbar.

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Ich wechselte zum ersten Mal einen Blick mit der Verkäuferin, wir verdrehten verschwörerisch die Augen und ließen die Dame weiter schwadronieren, während wir gemeinsam nach einem Teil für das ursprüngliche Ziel, den Pullover, suchten. Wir wurden tatsächlich fündig und zwar bei den Schlafanzughosen, die gleich mit in meine Auswahl kam.

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Währenddessen wurde die Kundin vielleicht gewahr, dass sich keiner von uns für sie interessierte oder Lust hatte, auf ihre Kommentare oder ihre Selbstbeweihräucherung einzugehen, also kam sie zum Zahlen. Nach 8000 anprobierten und für minderwertig erachteten Teilen für ihren Luxuskörper, kaufte sie eines.

Wie ist es mit Rabatt für gute Kunden?

Freundlich teilte die Verkäuferin ihr mit, dass es sich um ganz neu hereingenommene Ware handele und keine Rabatte möglich seien, woraufhin sie wieder durch den Laden stromerte und erneut Teile in ihrer perfekten Größe verlangte.

Irgendwann war es dann so weit. Auch die weiteren Teile fanden keine Gnade, so dass der Zahlvorgang erneut in Angriff genommen wurde. Diesmal mit den Worten:

Gibt es denn wenigstens noch ein Wäschesäckchen dazu. Ich bin schließlich eine gute Kundin!

Auch hier musste die freundliche Verkäuferin passen. Wäschesäckchen seien leider aus. Mit Ihrem Einkauf in der Hand verzögerte sie so lange wie irgend möglich ihren Abgang, aber wir Ungläubigen ignorierten sie unverschämterweise auf das schändlichste.

Endlich war sie gegangen und wir begannen uns zu unterhalten. Ich bedauerte die Verkäuferin sehr und fragte, ob sie häufiger solche Kundinnen aushalten müsse, was sie zu ihrem Glück verneinen konnte.

Als ich schließlich zahlte, fragte sie mich nach meiner Kundenkarte, die ich nicht besaß und die sich für mich auch nicht lohnt, da ich unterwäschetechnisch eher pragmatisch bin. Ich konnte mir natürlich nicht verkneifen sie zu fragen, wie gut die Kundin zuvor gewesen sei, worauf sie mir gestand, diese hätte genau einmal in dort gekauft.

Ich musste ihr erneut meinen Respekt und meine Bewunderung für Ihre gleichbleibende Freundlichkeit aussprechen, quatschte noch ein Ründchen, überließ sie dem Aufräumen des von der Kundin hinterlassenen Chaos und machte mich kopfschüttelnd auf meinen Weg.

Manche Menschen bräuchten wohl dringend einen Spiegel, der nicht nur ihre äußerliche Erscheinung zurückwirft, dachte ich.

Ich überlegte danach noch das eine oder andere Mal, ob ich dieser unverschämten Person deutlich meine Meinung hätte sagen sollen, aber wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich tatsächlich Bedenken, dass sie auf Provokation über die Maßen aggressive reagieren würde. Diese Frau war so fernab von normalem Verhalten, dass es mich in keinster Art und Weise gewundert hätte, wenn sie Widersacher sofort den Garaus machen würde. Mal abgesehen davon war vollkommen klar, dass sie bei der geringsten Reaktion nie wieder diesen Laden verlassen hätte. Und wem wäre damit gedient gewesen.

Bleibt noch die abschließende Überlegung, welcher Mann sich die Wäsche dieser Frau ansieht, oder anders gefragt: wer hält es mit einem solchen Menschen aus?????

Da setzte ich mich doch lieber zu Albert und genoss die abendliche Oktobersonne.

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Die ist doch viel zu schade für’s Bett…

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