Einfach nur bezaubernd – Saving Mr. Banks

Es ist 00:00 Uhr und ich bin derart bezaubert von dem Film „Rettet Mr. Banks“ aus 2014, den ich gerade auf Netflix gesehen habe, dass ich einfach darüber schreiben muss, damit ich es nicht vergesse und damit Ihr ihn unbedingt anseht, falls Ihr wirklich anrührendes, amüsantes Kino sehen wollt. Erzählt wird die ‚wahre‘ Entstehungsgeschichte der ersten Verfilmung von Mary Poppins. Walt Disney hat 20 Jahre lang bei der Autorin P. L. Travers um die Rechte geworben und konnte die steife, rechthaberische Engländerin schließlich umgarnen und überzeugen. Und wer könnte die Charaktere besser darstellen, als meine hochgeschätzen Schauspieler Emma Thompson und Tom Hanks.

 

Emma Thompson brilliert in der Rolle der sperrigen Engländerin, die ihre Mary Poppins keineswegs dem billigen Kommerz des Walt Disney in die Finger geben will. Doch Walt Disney hat seinen Töchtern ein Versprechen gegeben.

Der Film zeigt zwei Zeitebenen. Im Vordergrund steht die Entstehungsgeschichte des Filmes in den 60er Jahren, den Misses Travers mit Argus Augen überwacht und jede auch nur ansatzweise frivole, oder lustige Idee im Keim erstickt.

Gleichzeitig zeigt der Film die Kindheit von Pamela Travers, die ihren Vater, einen Säufer und Träumer verehrt. Collin Farell stellt ihren Vater dar, der am realen Leben, dem Alkohol und schließlich der Tuberkulose scheitert. Die kleine Travers hält die verzweifelnde Mutter vom Selbstmord ab und setzt schließlich alle Hoffnungen auf ihre Tante, die verspricht „alles wird gut“. Diese Tante hat verdächtige Züge der Resolutheit, die man von Mary Poppins kennt.

1964 ist schließlich Premiere. Pamela Travers sitzt (uneingeladen) im verhassten Amerika und weint sich die Augen aus dem Kopf, denn die Vergangenheit holt sie mit Wucht ein. Aber anders als im Buch findet Mr. Banks (der verwitwete Vater des Originals) ein glücklicheres Ende im Film, als ihr eigener Vater im Leben.

Die Musical-Version mit Dick Van Dyke und Julie Andrews habe ich gesehen und sie für recht klamaukig gehalten. Woran ich beim Film allerdings dachte war die Darstellung von Emma Thompson als Mary Poppins selbst in „Eine zauberhafte Nanny“ von 2005, die ich einfach wunderbar fand.

 

Unter all Ihren Warzen erkennt man die großartige Shakespeare Darstellerin (Viel Lärm um nichts)  zwar kaum, aber auch an der Seite des liebenswert überforderten Colin Firth spielt sie alles an die Wand.

Diese Frau bringt mich spätestens seit „Was vom Tage übrig blieb“ (1993 an der Seite des unvergleichlichen Anthony Hopkins) einfach zum schwärmen.

Fazit a) Emma Thompson ist ein Garant für gute intelligente und feinfühlige Filme (nicht unbedingt geschätzt von Männern), b) „Saving Mr. Banks“ zeigt beim Abspann die Originalbilder, woran man erkennt, wie gut die Charaktere getroffen sind und c) sich auf diesen Film in einer ruhigen Minute (oder 125 davon) einzulassen, bedeutet pures Glück.

Auch auf Wikipedia wird die langjährige Werbung Walt Disneys und die Kratzbürstigkeit der Travers sowie ihr Entsetzen über den fertigen Film geschildert. Demnach muss ich wirklich mal das Buch lesen, dass offenbar, wie so häufig, von dem abweicht, was wir in Filmen vorgesetzt bekommen. Ich erinnere nur an „Frühstück bei Tiffany“.

Es ist jetzt 00:57 und ich bin froh, dass ich Euch das noch eben erzählt habe.

Gute Nacht.