Wen bitte darf ich schlagen?

Achtung, wenn Sie nicht mindestens 50 Jahre und weiblich sind, bitte sofort jegliches Scrollen einstellen, oder erst den Arzt und Apotheker ranholen.

Ich sag Euch jetzt mal was: ich drehe durch bei dem Begriff Wechseljahre. JAHRE… Wären es Tage, ok, aber wenn ich mir vorstelle, dass sich Tage wie heute häufiger wiederholen, dann müssen ein paar Crash-Test-Dummies her, die ich verprügeln kann!

Heute aufgewacht, ins Bad gegangen, die vollgelaufenen Schlupflider nach oben gezogen und in den Spiegel geschaut. Fehler. An Tagen (ihr wisst schon) wie diesen, würde ich auch George Clooney in die Wüste schicken.

Nicht die Tatsache, dass ich so alt aussehe, wie ich nun mal bin macht mir zu schaffen, sondern die hormonelle Umstellung des Körpers sorgt dafür, dass sich mein Körper vollsaugt und sich anfühlt wie ein nasser Sack. An allen Ecken und Enden zieht es. Der Anblick macht mir dann natürlich zusätzlich super schlechte Laune, aber zum Glück hab ich ja nicht Georgy, sondern Schatzi daheim, der mich kennt, mich in Ruhe lässt und sich alleine am Büdchen gegenüber vergnügt.

Eine Ode an den Sport

Gut so, denn wenn ich mich so fühle, dann hilft nur Sport. Ja. Stimmt schon, es kostet gerade dann besonders viel Überwindung, aber ich weiß ja, dass ich mich hinterher besser fühle. Also Klamotten an, Gewichte an die Arme und loswalken.

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Ja. Walken. Bin ja schließlich ein alter nasser Sack.

Seit ich in Düsseldorf lebe, bin ich nach ein paar hundert Metern am Rhein. Schon dieser Anblick und der eiskalte Wind im Gesicht, tun meiner Laune und meinen Schwellungen gut. Kräftig ausschreiten und militärisch die Arme mit bewegen. Nach der ersten Runde, wird mein Körper wunderbar warm. Alles fühlt sich geschmeidig an und wer hätte es gedacht, ich bin noch fit und gehe in Laufschritt über.

Meine Gedanken drehen sich plötzlich nicht mehr um meinen wackelnden Hintern und meine arthritischen Wurstfinger, sondern fokussieren sich auf die idiotischen Rollerfahrer im Park. Mal ganz ehrlich: diese ökologische Katastrophe braucht kein Mensch. Aber ich laufe immer runder und immer müheloser und mir rutscht lediglich ein „Gehen würde Dir auch nicht schaden“ heraus, als einer dieser beknackten Faulpelze auch noch hinter mir klingelt.

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Erstaunlich, was der Körper leisten kann, obwohl man nur kurz zuvor am liebsten in ein frühes Grab gesunken wäre. Und am schönsten am Sport finde ich, dass meine Gedanken immer freier werden. Schwierige Gespräche zum Beispiel gehe ich am liebsten beim Laufen durch. Besonders wenn sie eventuell emotionsgeladen sein könnten. Es hilft mir in der konkreten Situation meine Gefühle im Zaum zu halten, denn obwohl ich meine, man sollte seine Gefühle auch beruflich nicht unterdrücken, so ist es mir wichtig kontrolliert zu bleiben.

Halb Düsseldorf empfindet entweder genauso wie ich, oder ist eben einfach gerne auf den Beinen. Ich liebe es, dass im Park so viel los ist. Keiner schaut einen beim Walken mit Gewichten (oder wegen der Schlupflider) schief an. Alle sind in Aktion, mit Hund, Kind und Kegel, oder so wie ich, mit Wasser in den Beinen.

Zwei Runden, eine dreiviertel Stunde bin ich unterwegs, als ich nach Hause komme und Schatzi und den reizenden Herren am Büdchen auf die andere Straßenseite winke. Noch ordentlich durchdehnen und ab unter eine heiße Dusche.

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Ich fühle mich deutlich besser. Der Spiegel beschlägt zwar immer noch bei meinem Anblick, aber der weiß ja auch nicht alles, wie Grimms Königin bestätigen könnte. Richtig viel Zeit nehme ich mir im Bad. Da werden sämtlich überflüssige Haare entfernt (autsch), die wunderbar duftenden Weihnachtsgeschenke eingearbeitet und mein geplagter, aber zufriedener Körper in den Jogginganzug gepackt.

Mein Kopf ist frei, die Haare darauf in einer pflegenden Packung, das Wasser für eine entspannende Wärmflasche aufgesetzt (der Bauch zieht leider immer noch wie verrückt) und ich habe Lust zum schreiben. Geht doch!

Aber erst die Zigarette danach, hahaha. Auf dem Balkon ist noch ein bisschen Licht – man bin ich die Dunkelheit satt – also rufe ich zwischen den genüßlichen Zügen „Aufnahme“ in mein Handy, um noch ein Foto für den ultimativen Schlupflidertag-Tip zu machen: Statementbrille, die von allem ablenkt:

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Wie geht Ihr mit Tagen wie diesen um? Sport, oder George?

Habt einen schönes Wochenende, schönen Tag, schönen Abend und viel Spaß, woran auch immer.

 

 

Brille: Cutler and Cross

 

4 Kommentare zu „Wen bitte darf ich schlagen?

  1. Gut beschrieben und lustig zu lesen! Auch bei mir gibt es Tage, da trödele ich herum und muss mich regelrecht zum Sport zwingen. Aber das Gefühl danach, ausgelüftet, durchblutet, zufrieden und stolz – einfach unbeschreiblich!

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