Liegt Mode im Auge des Betrachters?

Seit ich in Düsseldorf wohne und täglich über die Kö flaniere hat sich meine Sicht auf Mode verändert. Tatsächlich empfinde ich viele meiner bisher geliebten Stücke als wahlweise ein bisschen spießig, zu uncool und auch zu „billig“.

Ist schon verrückt, wie viel Reiche und noch Reichere hier plakativ Designer Labels zur Schau tragen. Und obwohl ich es besser wissen müsste, kann ich mich nicht davon frei machen, dass ich nun auch nach höherem strebe. So habe ich tatsächlich im Super Sale in Marken wie Celine, Givenchy und Marni investiert, die ich ehrfurchtsvoll liebe, denen man aber dummerweise den Preis, oder das Label gar nicht ansieht, hihi.

Also Düsseldorf inspiriert, aber irritiert mich in Sachen Mode gleichermaßen, denn mal ganz ehrlich für dieses Louis Vuitton Outfit müsste man viel Geld bezahlen, damit ich es trage:

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Nichts desto trotz stehen hier jeden Abend und besonders am Wochenende Leute Schlange, um in den Laden gehen zu dürfen. Absurd, vor allem, weil selbst Dior, Chanel oder wie sie alle heißen es nicht schaffen einen solchen Hype zu erzeugen.

Und ja, natürlich hat Louis Vuitton auch tolle Sachen, aber a) stelle ich mich nicht an, um etwas kaufen zu dürfen (wenn die Menschen in der Schlange dazu überhaupt in der Lage sind) und b) käme es für mich auch nicht in Frage ausgerechnet die Sachen zu kaufen, wo dick und fett das Label drauf prangt. Denn meine Damen, wer kann denn noch erkennen, welche Louis Tasche echt ist und welche eine Fälschung aus China oder sonst woher?

Ich will anders!

Irgendwie wollte und will ich weiterhin immer individuell sein. Ein Grund für mich nicht bei Zara, H&M und Co. zu kaufen, denn da kann man sicher sein, dass einem an jeder Ecke das gleiche Outfit begegnet – mal ganz abgesehen von ökologischen und arbeitsrechtlichen Aspekten…

Wenn ich nun also in hochwertige Mode (noch) mehr Geld investieren, dann möchte ich Stücke kaufen, die ich sehr lange tragen kann. Mein altes BWLer Herz braucht die Amortisation. Obwohl ich die Kreationen von Gucci sehr schön finde und Mickey Mouse liebe, würde ich genau aus diesem Grund auch keinen Cent für die neue Sommerkollektion springen lassen:

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Aber: jeder wie er mag. Wenn ich allerdings gar nicht auf’s liebe Geld schauen müsste, wenn also der ersehnte Lottogewinn endlich die Millionen auf mein Konto spült, dann würde ich einmal mehr auf Schlichtheit mit exklusiven Stoffen setzen, denn am Ende des Tages gibt es ein paar wenige Charaktereigenschaften an Menschen, die ich wirklich nicht leiden kann und eine davon ist: Protzen.

Ich bleibe dabei meine „alten“ Sachen aufzutragen, hin und wieder auszumisten, oder sie mit neuen Schätzen zu kombinieren.

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Anzug Marc Cain, Sneaker Ash, Jacke Jolin Zhao, Tasche Cloé

Und mal nebenbei: nicht alle individuellen Designer-Stücke sind teuer. Die liebe Evelyn hat ihr Label Jolin Zhao gegründet. Für diese Kuscheljacke, die ich einfach statt Mantel über dem Anzug trage, waren nur 88 EUR nötig. Dennoch ein exklusives Designerstück, dass ich nicht missen möchte. Allerdings habe ich ihr geraten die Preise deutlich anzuheben, denn auch wenn die Wiesbadener Wilhelmstraße nicht an die Düsseldorfer Kö rankommt, erwarten die Menschen auf beiden Straßen hohe Preise. Es gibt Menschen, für die erst der Preis die Mode attraktiv macht.

Aber merke: Geschmack kann man nicht kaufen.

Habt einen schönen Sonntag!

PS: Lieber Louis Vuitton, liebe Guccis, solltet Ihr mit mir kooperieren wollen, mache ich natürlich eine Ausnahme 🤣