Liebe Oma, ich hoffe…

….Du hast Dich mittlerweile ein bisschen im Heim eingelebt. Mama hat mir erzählt, dass Du ja jetzt endlich Dein eigenes Zimmer hast und etliche Stücke aus Deiner alten Wohnung bei Dir sind.

Ich weiß, Du kannst mir leider gar nicht mehr antworten, weil ich ja Deine Schreibmaschine habe, aber wenn Du magst, dann bringe ich sie Dir auch gerne zurück, wenn ich das nächste Mal in Wiesbaden bin.

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Übrigens habe ich auch eine Tasse und den Aschenbecher Deines Zwiebelmusters. Und ich verspreche natürlich, beides in Ehren zu halten! Gleiches gilt für das Hutschenreuther Häschen:

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Sehr bald werde ich leider nicht kommen können, weil ja gerade die Corona Pandemie tobt. Ich weiß, Mama hat Dir das schon erzählt, aber sie sagte, Du hättest es nicht wirklich verstanden, weil Du ja auch keine Nachrichten mehr schaust, bzw. hören kannst. Fakt ist, Corona ist ein Virus, der momentan weltweit das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben lahmlegt. Ganz Deutschland hat eine Ausgangssperre. Man darf nur noch zu zweit, oder als Familie rausgehen und muss zu allen Menschen, denen man begegnet 1,5 Meter Abstand halten, denn der ‚Hund‘ ist sehr ansteckend.

Es darf auch niemand in Altenpflegeheime zu Besuch kommen, denn der Virus ist besonders für ältere Menschen gefährlich. Deine Pfleger haben bestimmt plötzlich Masken und Handschuhe an, oder? Hier in Düsseldorf sind auf der Straße viele Menschen mit Maske unterwegs. Und einkaufen ist heutzutage ein Abenteuer. Man muss in Schlangen an der Kasse mit mindestens 1,5 Meter Abstand warten. Man kann alles kaufen wie gewohnt, außer Klopapier und Nudeln. Die bescheuerten Deutschen haben sich damit offenbar die Wohnungen ausgekleidet. Jedenfalls ist nix mehr zu bekommen.

Im Juni bin ich in Wiesbaden, weil wir vor Gericht erscheinen müssen. Du glaubst es nicht, aber wir liegen immer noch im Clinch mit unseren ehemaligen Vermietern, die uns unmögliche Abzüge in der Kaution gemacht haben. Und dass, nachdem wir dieser Wohnung liebevoll zu ihrem echten Glanz verholfen haben.  Kennst sie ja noch…Kann es immer noch nicht fassen…aber…so kommen wir mal wieder und wenn Corona dann hoffentlich Schnee von Gestern ist, besuche ich Dich natürlich. Also sag Bescheid, ob Du Deine Schreibmaschine magst.

Nachdem ich mir eben nochmal die Bilder der alten Wohnung angeschaut habe, vermisse ich den Flair des Altbaus schon ein bisschen. Allerdings ist der Vorteil unseres jetzigen Neubaus, den Du ja leider nie gesehen hast, dass wir Fußbodenheizung haben und so alle bodentiefen Fenster schön zur Geltung kommen. Und Du glaubst es nicht: wir hatten nicht ein einziges mal die Heizung an. Die Bude ist derart gut isoliert, dass es einfach nicht nötig war.

Ende März hatten wir Deine Wohnung aufgelöst. Es war echt ein bisschen traurig, dass so wenig Interesse an all Deinen Schätzen bestand. Du weißt ja, dass ich einfach keinen Platz mehr habe heutzutage und zu der neuen modernen Wohnung ohnehin nichts Altes  passt. Aber bevor wir es verschleudert haben, ist das Delfter Porzellan zu mir gezogen. Ich hoffe, Du bist damit einverstanden. Die Stücke haben bei mir einen Ehrenplatz und ich werde gut auf sie aufpassen!

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In Zeiten von Corona sind die meisten Menschen übrigens im sogenannten HomeOffice. Heißt, man arbeitet mit dem Laptop (einem kleinen Computer) von zu Hause aus. Hab Dir ja schonmal vom Internet erzählt. Das sorgt jetzt dafür, dass miteinander von Computer zu Computer reden kann. Wie telefonieren, aber mit Bild. Du kannst Dein Gegenüber bei allem sehen. Man schreibt ja heute auch eher selten auf Papier (für Dich drucke ich die auf dem Computer geschriebenen Seiten immer aus) und verschickt per Post. Eher schickt man E-Mails (elektronische Post).

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Die Mama hat keinen Computer, aber der Papa schreibt mir immer E-Mails. Denen geht es übrigens gut. Auch Papas Frau hat sich komplett erholt.

Jedenfalls sitzen Herbert und ich schon seit über 3 Wochen zu Hause. Wie sehr viele Menschen. Zum Glück verstehen wir uns super und empfinden es nicht soooo schlimm. Nur Herbert gehört natürlich auch zur Risikogruppe, d.h. er geht fast gar nicht mehr für die Tür. Dafür haben wir aber viel Zeit, um Sachen zu erledigen, die wir schon ewig aufgeschoben haben. Wie Bilder aufhängen:

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Neulich haben wir in einer Wochenend-Aktion unsere Küche beklebt. Die war vorher Braun, jetzt ist sie fast weiß. Die Frabe nennt sich Rough Milky (rauhe Milch). Ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die Folie hatten wir schon seit September und wir wollten immer Tommy bitten, es zu machen, aber der hatte keine Zeit und dann kam ohnehin Corona. Jedenfalls haben wir es dann einfach selbst gemacht und es ist wirklich gut gelungen.

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Resimdo Folienbeklebung

Weißt Du, momentan sind auch alle Geschäfte geschlossen. Also ALLE Geschäfte, außer Supermärkte und Apotheken. Aber über dieses Internet kann man auch ‚online‘, also über den Computer kaufen. Da gibt es dann sozusagen genau die gleichen Läden und man kann im Computer Produkte aussuchen, bestellen und sich liefern lassen.

Weil ich schon seit 3 Wochen nur noch Jogginganzug an habe, ist mein Interesse an Mode derzeit sehr gering. Umso mehr interessiert mich die Wohnung noch gemütlicher und schöner zu machen. Natürlich habe ich als erstes mal unsere Balkons ‚entwintert‘. Ist ja momentan so schön und alles grünt und blüht. Das ist natürlich wirklich ein großer Vorteil an unserer neuen Wohnung und momentan auch super, um sich mal aus dem Weg zu gehen **hihi**

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Mindestens einmal am Tag mache ich einen großen Spaziergang. Die Straßen sind derzeit wie leergefegt und ich finde das eigentlich ganz angenehm.

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So Omi, jetzt mache ich mal Schluss, drucke den Brief aus und bringe ihn zur Post. Ich komme natürlich auch zu Mama’s Geburtstag. Da können wir dann hoffentlich alle zusammen gemütlich ein dickes Eis essen gehen. Und Deinen 97. müssen wir auch ordentlich feiern!

Pass gut auf Dich auf und lass Dich nicht hängen! Du musst Dich echt bewegen und gut essen, gell?!

Liebe Grüße,

Deine Nici

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8 Kommentare zu „Liebe Oma, ich hoffe…

  1. Das habe ich sehr gern gelesen. Ich ertappe mich oft dabei wie ich an meinen Vater denke, er verstarb im November, und mit ihm rede ihm erzähle wie es jetzt hier so ist. Und es macht einen Unterschied, ob ich es einem jüngeren, gleichalten oder älteren Menschen erzähle. Ist eigentlich klar, wurde mir aber beim Lesen hier noch einmal bewusst. Danke.

    Gefällt 2 Personen

    1. Lieb von Dir! Danke Dir.

      Wir erzählen uns beide die Sachen, die wir aus unserer Gegenwart nicht kennen. mein Oma mir von der Nachkriegszeit und ich ihr vom elektronischen Zeitalter. Auf Corona hat sie mit: „ist ja wie im Krieg“ reagiert. Nicht von der Hand zu weisen, außer, dass es nur einen Feind gibt, mit dem man irgendwie leben muss….man kann immer voneinander lernen…
      Schöne Feiertage für Dich und mein Beileid zum Tod Deines Vaters!

      Gefällt 1 Person

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