Schockierendes Osterfest

Ich hoffe, Ihr hattet schöne, ungewöhnliche und neue Ostern!

Statt mich durch ätzend langsamen Verkehr Richtung Bayern zu meiner lieben Schwiegermama zu quälen, um mich dort mit Spargel und gesegneten Eiern vollzustopfen, saß ich am Ostermontag, nach langem Spaziergang am Tisch und schrieb an diesem Post, um Euch einen schockierenden Buchtipp zu geben. Und ich gebe Euch diesen Tipp, ohne, dass ich das Buch schon ausgelesen hätte – Spoiler Alarm ausgeschlossen – denn es ist gravierend schockierend. 

Aber der Reihe nach…

Zwei Bücher schaffen es leider nicht auf meine Bestenliste und ich warne vor „Seichtheit und Langeweile“ – sorry, Frau Kuttner und Frau Lee.

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„Kurt“ von Sarah Kuttner hatte ich mir aus Versehen zwei mal gekauft…wie ärgerlich, denn es ist seicht, trotz schwierigem Thema „Wie gehe ich mit Trauer um“. Mag gar nicht weiter drüber reden und ärgere mich, dass es nicht gut ist, sonst hätte ich das überzählige Exemplar jemandem schenken können. Aber zum Glück kenne ich wissentlich keine Menschen mit schlechtem Geschmack…

Merke: Kaufe nie wieder Bücher, die eine gute Kritik der Brigitte abdrucken müssen. Das Thema „Frauenliteratur“ hatte ich ja schon zähneknirschend besprochen…

Nachdem Frau Lee mich bis zur Hälfte mit dem Thema Koraner in Japan und das damit verbundene „harte Los“ begeistern konnte, da es augenblicklich natürlich prächtig zum Thema Entbehrungen, eben „ein einfaches Leben“ passt und ich normalerweise ein Fan asiatischer Feinsinnigkeit bin, verliert sie sich irgendwann in Endlosigkeit. Wiederholungen, Langweile, kein Zusammenhang und nochmals Langweile. Leider auch keine Empfehlung…zumindest schien die Sonne dabei…

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Nach kurzem durchstöbern der Bücher, die ich immer in petto habe, griff ich nach „Der Wal und das Ende der Welt“. Warum? „…eine große Geschichte über die Menschlichkeit“ heißt es da auf  dem Klappentext. Na, da will ich doch mal sehen, was angesichts der aktuellen Krise einen Funken Hoffnung in Sachen Menschlichkeit geben kann.

Der Wal und das Ende der Welt

Ohne jede Ahnung was bei dem Buch auf mich zukommt, hat mich bereits die erste Seite gefangen genommen. Die lese ich übrigens immer erst, wenn ich das Buch schon gekauft habe….ich stutze bei „Wissen wir genug über die Welt in der wir leben? Was brauchen wir, um uns aufgehoben zu fühlen? Und was würdest du tun, wenn alles auf dem Spiel steht?“

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Kurz sinniere ich: ‚Klopapier horten!‘ haha. Ich fange an zu lesen und lasse mich vom ersten Absatz des Buches gefangen nehmen, weil mir sofort die Charaktere, die Schreibweise, die Beschaulichkeit gefällt und ich spontan an Miss Marple, Inspektor Banks und all die pittoresken englischen Vororte denke, die mich regelmäßig bezaubern und ein wohliges Gefühl hinterlassen.

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Ein junger Mann wird nackt am Strand gefunden. Mehr oder weniger gleichzeitig wird ein Wal angespült und kaum ist der junge Mann gerettet, übernimmt er die Koordination der Wal-Rettung. Das ganze Dorf, 300 Seelen, treten unter seiner Führung (mittlerweile angezogen) an, graben eine Schneise unter dem Wal und schaffen es mit vereinten Kräften den Wal zurück ins Meer zu befördern.

Klar, dass der junge Mann, Joe, nun der mysteriöse Held des Dorfes ist, der offenbar beschlossen hat seinen schicken Mercedes für einen lange Zeit am Ende von England zu parken, da er aus London fliehen musste.

Sukzessive erfahren wir, dass Joe ein Analyst aus einer renommierten Londoner Investment Bank ist und ein Programm geschrieben hat, dass alle Medien studiert und aus den gewonnen Erkenntnissen Kauf oder Verkauf Empfehlungen für die Bank generiert. Das besondere ist, dass „Cassie“ alle Zusammenhänge herstellen kann. Welche Einflüsse haben also schlechte Ernten, Krankheiten, Probleme bei Lieferketten, Kriege usw. auf sämtliche wirtschaftlichen Bereiche weltweit. Das Programm begeistert den Chef der Bank, allerdings verlangt er von Joe eine geheime Erweiterung.

Er will, dass Joe, der von Haus aus Mathematiker ist, berechnet, welche Faktoren zum endgültigen Kollaps führen.

Zurück in die Steinzeit

Die Berechnungen gelingen, doch Joe kann das eigene Ergebnis kaum glauben. Der Zusammenbruch der Welt ist weniger weit entfernt, als er sich hat träumen lassen.

Seinem Chef sind die Ergebnisse schon klar, bevor Joe die zwei Faktoren nennen kann, die zum Zusammenbruch der Welt wie wir sie kennen führt und versetzt Joe in Erstaunen.

Nummer 1: das Versiegen der Ressource Öl. Fast alles hängt vom Öl ab. Sowohl Produkte, als auch weltweite Logistik. Alternative Energiequellen, bedingen den Transport und den Abbau derselben und sind ohne Öl nicht zu machen. Die Weltabhängigkeit von Öl ist allumfassend. Ein Versiegen führt die Menschheit quasi zurück in die Steinzeit. Diese Komponente liegt auf der Hand und ist weder für Joe, noch für mich selbst eine große Überraschung.

Ich sitze gemütlich auf dem Balkon und warte auf den Moment, wo Joe’s Chef auch den zweiten großen Faktor, der die Welt zu Fall bringt benennt. Und lese:

„…Grippe“

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Ich gebe zu, mir ist ein bisschen schlecht geworden.

Das Buch ist 2015 geschrieben worden und John Ironmonger, von Haus aus promovierter Zoologe, beschreibt, wie schnell Grippe die Menschheit vor deren größte Herausforderung stellt.

Natürlich hat die Welt die spanische Grippe 1918 mit 50 Mio Toten überstanden und funktioniert immer noch. Aber, so argumentiert Joe’s Boss, zu diesem Zeitpunkt war die Vernetzung der Welt deutlich geringer. Länder und Branchen waren nicht in der Abhängigkeit, die unser heutiges Wirtschaftssystem bestimmt.

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Und noch eine weitere Variable macht nun beiden Kopfschmerzen. Wie verhält es sich mit der Menschlichen Komponente, die kein mathematisches System vorweg nehmen kann?

Ich bin mittlerweile zu zwei Dritteln durch und lebe mit Joe in St. Piran, dass sich gegen die Außenwelt abgeschottet hat. Joe hat mit seinen letzten 50 Tausend Pfund Lebensmittel im Kirchturm gebunkert, um die ihm am Herzen liegenden 300 Einwohner zu versorgen, die ihn zunächst für ziemlich verrückt halten.

Der menschliche Faktor

Aber die Grippe kommt in England an, verbreitet sich rasant und führt (endlich ein Unterschied!!!) schnell zu Lebensmittelknappheit. Die Menschen reagieren mit Flucht, Gewalt und mit Plünderungen. Auch St. Piran wird mehrfach überfallen, denn die große Einkaufsaktion von Joe mit Hilfe der Dorfbewohner ist natürlich nicht unentdeckt geblieben. Fremde suchen das Lager, indem Joe mit dem Pfarrer in Quarantäne sitzt, wo beide Joe’s ehemalige Vorgesetzte in den schnellen Grippetod begleitet hatten.

Wie es weiter geht? Ich weiß es nicht. Letzter Stand ist, dass während der Quarantäne das Dorf nicht an die Lebensmittel kam. Solange haben sie mit Fischfang überdauert und die Milch der Kühe getrunken. Strom gibt es keinen mehr. Das Wasser ist abgestellt, aber ein Brunnen aus alten Tagen versorgt die Gemeinde. Gekocht wird auf dem Dorfplatz für alle mit dem Holz der umliegenden Wälder.

Und hin und wieder taucht der Wal vor der Küste auf, bläst eine Fontäne und beobachtet, wie die Feststimmung langsam umschlägt.

Ich hoffe einfach mal, dass es gut ausgeht, denn sonst wäre es ja kaum „…eine große Geschichte über die Menschlichkeit“.

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Ich bin froh, dass Corona trotz seiner Schwere keine der hier beschriebenen Auswirkungen hat. Im ersten Moment war ich wirklich schockiert „Grippe“ zu lesen, war ich doch so gar nicht auf den Inhalt des Buches vorbereitet. Trotz Schock empfehle ich das Buch sehr gerne, denn es ist schön geschrieben, spannend und lehrreich. Und am Ende des Tages doch positiv, denn es könnte schlimmer sein…

Sollte es doch böse ausgehen, werde ich berichten 😉

 

 

8 Kommentare zu „Schockierendes Osterfest

  1. Liebe Niki, herzliche Grüße aus WI. (Wir hatten schon kurz Kontakt per Mail z.Th. Umzug von WI nach DUS und umgekehrt). Die Sehnsucht nach dem Handkäse hat mich auch paradoxerweise mal gepackt, als ich vor Jahren von FfM nach MUC (!) zog. Habe mich selbst gewundert. Danke für die Buchempfehlung, werde ich lesen! Sehr schön fand ich auch Deinen Beitrag, verfasst als Brief an Deine Omi. Ausnahmsweise trinke ich gerade einen Verveine The von Mariage Freres (von L’Art sucre :-)) aus der Bodum-Tasse 🙂 und keinen Grünen, schau Dir aber bitte unbedingt die Oriyoki-Internetseite an. Dort bestelle ich meinen grünen Tee und japanische Tücher, in die ich Geschenke einpacke. Einen schönen Sonntag! Maria

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    1. Hi Maria, ja, ja….die Sehnsucht nach Hand- und Spundekäs lässt sich nicht vollständig abschütteln. Wobei: hier in D-Dorf gibt es einen Handkäs in Altbier eingelegt. Hat was, muss ich sagen….
      Auf alle Fälle werd ich für die nächste Tee-Bestellung mal Oriyoki ansehen. Was ist denn Dein Favorit?
      LG in die alte Heimat!
      Nicole

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      1. Hi Nicole, gerne trinke ich morgens Matcha, ansonsten mag ich sehr Gyokuro. Während eines Wochenendes in Hamburg vor vielen Jahren, an dem es an 3 Tagen nur einen Schnee-Regensturm nach dem anderen gab, verbrachte ich die Zeit „notgedrungen“ in Museen. In einem der Museen gab es eine japanische Kunstausstellung und eine 2stündige Teezeremonie, in einem extra dafür aufgebauten Teepavillon. Seitdem bin ich ein Stückchen weiser ;-), Zen-interessierter und Matcha-Fan! Noch kurz zum Handkäs‘: in meinem Stadteil, Kaiserswerth, gab es in unserer damaligen Stammkneipe „Zum Ritter“ tatsächlich Handkäse mit Musik! Viele Grüße und viel Glück bei Deiner Auseinandersetzung mit den ehemaligen Vermietern! Sauerei. Heute leiden die Gastronomen unter Corona, habe aber noch nicht von einem Fall gehört, dass die Vermieter die Miete stunden o. Ä….

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      2. Hi Maria,
        hab leider gerade festgestellt, dass der Ritter zugemacht hat…..wie schade! Da wäre ich ja gerne hin….
        Teezeromonie war bestimmt super spannend. Das würde ich auch gerne mal machen….nach Corona….da steht schon einiges auf dem Programm 😉
        Hab nen schönen Tag!
        LG Nicole

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