Vom Köder zum Angler

Wenn ich im Auto unterwegs bin höre ich am liebsten DLF (Deutschlandfunk). Ich mag zwar Musik sehr, aber ich begrüße es mich auf dem Laufenden zu halten, ohne darauf große Mühe zu verwenden. Nach mehreren Stunden DLF ist man um einiges schlauer.

Vor ein paar Wochen gab es einen Beitrag, der davon handelte, dass Hochschulen (jetzt mal unabhängig von Corona) durchaus werben müssen, um Studenten für ihre Einrichtung zu gewinnen. Schwerpunktmäßig ging es um die Aufstellung der Universitäten mit deren Online-Auftritten.

Bei der einen oder anderen wurde moniert, dass sie die Fragen der Studenten nicht beantwortet und eben deshalb nicht erfolgreich sei. Und zwar nicht hinsichtlich der Kursangebote etc, sondern der Fragen, die junge Menschen neben dem schulischen Dasein umtreiben: wie sieht die Wohnsituation aus, gibt es Hilfe bei sprachlichen Barrieren, Jobangebote in der Nähe usw.

Und dann hat der Analysierende (keine Ahnung wer das war) eine wunderbar bildhafte Beschreibung dafür verwendet, worauf es bei der Gestaltung der Webseiten ankäme, um die Zielgruppe anzulocken:

Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

Ich lasse das mal sacken…

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Aus meiner Perspektive muss man nicht mehr über Marketing wissen als dieses Statement, das ab sofort zu meinem Standard Repertoire gehört. Und ich teile gerne mit Euch 😉

Apropos schmecken…

Ebenfalls DLF hat mich darüber aufgeklärt, dass einige gewitzte Spargelbauern ihre Felder zum „Selbststechen“ geöffnet haben. Ein Aufruf über Facebook hat Ihnen eine gewaltige Zahl Menschen eingebracht, die die fehlenden Saisonkräfte fast ersetzen konnten. Nach kurzem Crash-Kurs über das „Wie“ bei einzuhaltenden Hygienemaßnahmen, lief offenbar alles reibungslos und der Spargel konnte gerettet werden. Lohn in Naturalien. Wir kommen dem Tauschhandel näher….alle die geglaubt haben, Toilettenpapier könnte zur Währung avancieren ist ja mittlerweile der Irrwitz genommen ***hihi*** Auf alle Fälle lecker:

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Zum Sterben schön

Bei Autofahrten, die mehr als vier Stunden dauern, schalte ich dann allerdings auch mal auf einen der WDR Sender um. So hatte ich zuletzt eine traumhafte Fahrt mit 50er und 60er Mucke. Und wer würde nicht „You never can tell“ von Chuck Berry kennen, wo er doch (leider nicht im Original) die wohl einzigartigste Tanzszene im großen Kino ‚Pulp Fiction‘ von Quentin Tarantino illustriert. Cool, cooler, am coolsten …. wobei ….

 

… ich kaum final urteilen möchte, haben doch auch die Coen-Brüder ein legendäres Meisterwerk auf die Leinwand gebannt ‚The Big Lebowski“. Und passend zum verpeilten White Russion Delirium: Kenny Rogers and The First Edition mit „Just Dropped In (To See What Condition My Condition Was In)“

 

Hach…es gibt wirklich viele gute Filme, unzählige gute Musiker und solche, die es nicht mehr gibt, die ich aber schmerzlich vermisse, obwohl ich eher ein Buchfan, als ein Musikfan bin…

 

Nächste Woche habe ich mal wieder Business as usual und muss mal wieder eine längere Fahrt antreten…mal sehen welche Perlen der Deutschlandfunk dann parat hält.

Die neue Realität

Apropos Buchfan…irgendwie habe ich augenblicklich ein Händchen für melancholische Bücher…kaum habe ich den „Herr der kleinen Vögel“ von Yoko Ogawa ausgelesen, in dem es um einen außerordentlich einsamen Mann geht, erzählt mir Pascal Mercier in „Das Gewicht der Worte“ vom Gehirntumor seines Protagonisten. Bislang kommt der vermeintliche Wortkünstler nicht nur schwermütig, sondern auch etwas zungenlahm daher, aber 100 Seiten gebe ich ihm noch. Schon allein in Gedenken an den „Nachtzug nach Lissabon.

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Der Herr der kleinen Vögel hatte übrigens seinen Bruder verloren. Füreinander waren sie die größten Bezugspersonen, denn der Bruder hatte in einer Sprache gesprochen, die nur der Herr der kleinen Vögel verstehen konnte. Und die Vögel. Die beiden hatten eine gemeinsame Routine entwickelt, innerhalb derer sie ihr stilles Leben vollzogen. Ein Schelm, wer Corona-Parallelen sieht.  Ein so stilles und bezauberndes Buch, wie das beschriebene Leben. Aber eben auch ein bisschen schwermütig. Obwohl…mit einem Baileys gings prima. Back to the 80ties.

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Dem Protagonisten wäre der Lockdown leicht gefallen, war er doch sowieso gewählt allein. Unsereiner muss erst der Krise geschuldete neue Routinen entwickeln. Denn mal ganz ernsthaft: auch wenn Gucci und Louis Vuitton wieder geöffnet haben und wirre Menschen dort anstehen…Corona wird uns noch eine ganze Weile begleiten und so zu tun, als wäre nichts, wird sicherlich nicht zur Entspannung beitragen. Eine neue Realität hat begonnen und wir brauchen neue Routinen, die einen vernünftigen Umgang miteinander mit Mindestabstand ermöglichen.

Der Gedanke daran erschreckt, entmutigt und erdrückt einen vielleicht, aber wir müssen uns dem stellen. Mir hilft Bewegung. Und Alkohol…dann klappt es auch in der Ehe!

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Habt ein traumhaftes Wochenende im neuen Zeitalter!

 

10 Kommentare zu „Vom Köder zum Angler

  1. Liebe Nicole, schön geschrieben. Ja, wir leben in einer neuen Wirklichkeit, obwohl es nicht wirklich jeder wahrhaben will. Klar, muss auch der Konsum wieder angekurbelt werden, aber so richtig Lust habe ich auch nicht drauf. Aber das mit dem Angler ist echt witzig, ich habe den Spruch irgendwo vor über 10 Jahren gelesen/gesehen und gleich mal eine Eigenwerbung draus gestrickt, wie Du schreibst, in einem Satz die ganze Welt des Marketings erklärt. Habt ein schönes Wochenende, herzliche Grüße Sigrid

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    1. Ich bin ehrlich erschrocken, als ich die Kritiken bei Perlentaucher gelesen habe….natürlich erst gestern 😉
      Naja….eine Chance hat er noch, aber an den Nachtzug kommt es keinesfalls ran….ohne Dich desillusionieren zu wollen…..
      Danke für’s reinschauen. Versuche gerade Teppich, gläsern, flattern zu verarbeiten….

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  2. Ein schöner und wirklich reichhaltiger Beitrag,liebe Nicole. Vielen Dank dafür.

    Den Ausdruck „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!“ schätze ich auch sehr. Es erinnert mich gelegentlich daran, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen und den anderen in den Fokus zu rücken. Herzlichst, Sovely

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