Mrs Robinson meets „Die einzige Geschichte“

Was für ein herrliches Wochenende da hinter uns liegt. Meine Akkus sind komplett aufgeladen, weil mich die Sonne, das Essen und die Literatur so verwöhnt haben.

Was die Literatur angeht, so hatte ich letzte Woche den aktuellen Julian Barnes in der Mache. Spätestens seit „Vom Ende einer Geschichte“ bin ich ein großer Fan dieses feinsinnigen Autors. Diesmal allerdings hatte er mich nicht von Beginn an, sondern tatsächlich erst ab der zweiten Hälfte, die ich (wie neulich bei Ian McEwan) nur wegen des Respekts dem Autor gegenüber in Angriff genommen habe. Sicherlich spielten die hervorragenden Kritiken eine Rolle, denen ich allerdings nur bedingt zustimme:

»Dieser Roman ist ein echter Barnes: traurig und wunderschön.«

Anja Wasserbäch, Stuttgarter Zeitung Published On: 2019-03-30

»Dieser Roman […] ist einer der besten, die Julian Barnes je geschrieben hat.«

Andreas Wirthensohn, WDR 3 Mosaik Published On: 2019-03-13

Letztenendes hat mich die Story zunächst ein bisschen zu sehr an „Die Reifeprüfung“ erinnert. Junger Mann verliebt sich in ältere Frau. Das Ganze aus seiner schlichten, etwas überreifen Ich-Erzähler-Sicht geschildert. Der Unterschied wurde allerdings recht schnell deutlich. Sie leben ihre Liebe. Nicht laut, nicht skandalbehaftet, sondern ganz bescheiden, um nicht zu sagen unspektakulär, auch wenn er sich reißerische Headlines überlegt.

‚Super‘ sollte man meinen. Ist ja auch mal schön. Aber so einfach macht der Autor die Story natürlich nicht, denn unsere Mrs Robinson, Susan, verfällt dem Alkohol. Daher ist der zweite Teil sehr problembehaftet und geht stark auf die suchtverändernde Wirkung der Personen und der Beziehung ein. Großartig geschrieben mit sehr tiefsinnigen Highlights, aber insgesamt: anstrengend.

Ein guter Bekannter von mir hat mir mal von seiner Ex-Beziehung mit einer Alkoholikerin erzählt. Es muss dramatisch sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich damit umgehen würde. Man hat ja auch schon viel über Co-Abhängigkeit gehört… Abgesehen davon war mein Bekannter keine zarte 19 Jahre alt und insofern vielleicht ein bisschen abgeklärter. Unseren Protagonisten jedenfalls prägt diese Beziehung für sein Leben (im 3. Teil) sehr. So sehr, dass er zu einem philosophischen Misanthrop wird.

Seine Rückschau auf die Beziehung im Alter wird natürlich immer reifer und besser. Ein paar der Wahrheiten oder Weisheiten über Liebe und Beziehung würde ich mich zu 100% anschließen.

Zum Beispiel sollte man sich immer darüber im klaren sein, was man sagt, denn manches kann man einfach nicht mehr zurücknehmen. Es wird immer im Gedächtnis bleiben und zu unpassender Zeit Öl ins Feuer gießen. Ein gefährliches Terrain, dass ich keinesfalls in meinem Leben vermisse.

Einer der vielen Vorteile der Erfahrung, besonders schlechter oder schmerzhafter Erfahrung: solche Fehler wiederholt man nicht. Wenn man schlau ist.

Langer Rede, kurzer Sinn. Ich empfehle eigentlich lieber den Vorgänger. Oder aber ganz etwas anderes, denn…

»Dieses grandiose Buch lässt einen lange nicht los.«

Bettina Schulte, Badische Zeitung Published On: 2019-02-23

… würde ich nicht unterschreiben. Ich bin war eher froh, als ich fertig war und habe mich dann spontan gegen eine nächste tiefgründige Vorlage entschieden und statt dessen mit Miss Cluny Brown vergnügliche Stunden auf dem Balkon verbracht.

Das ist so zauberhaft, um nicht zu sagen „köstlich“, dass ich es fast ausgelesen habe.

Abgesehen davon waren wir am Samstag mal wieder auf der anderen Rheinseite, im beschaulichen Niederkassel. Vermutlich hat sich besonders mein Rock, der seit 2 Jahren auf seinen Einsatz wartet, auf den Ausflug gefreut. Und mal ehrlich: ein bisschen Hippie geht immer (noch).

Rock – AYBI, Jacke – Abercrombie & Fitch; Schuhe – Birkenstock

Ich sage nur so viel – es war lecker. Nach den Rheinischen Tapas ***Kicher*** hatten wir eine großartige Sülze. Das gemütliche Bierhaus mit Schlüssel-Alt im Ausschank, ließ keine Wünsche offen.

Habt eine entspannte, sonnige und fröhliche Woche Ihr Lieben!

14 Kommentare zu „Mrs Robinson meets „Die einzige Geschichte“

  1. Liebe Nicole, da schlagen unsere Herzen im Gleichklang – bei mir gab es auch ganz viel Sonne, was kann denn bitte schöner sein, als die warmen Sonnenstrahlen noch mal zu richtig auf der Haut zu spüren, ganz viel leckeres Essen, bei uns ist gerade Schwammerlzeit und die Steinpilze schießen nur so aus dem Boden und wollen gepflückt werden, und natürlich etwas zu lesen. Das Leben kann doch einfach wunderbar sein. Bei meiner aktuellen Lektüre bin ich mir noch etwas unschlüssig, aber ich werde mir demnächst eure Meinung dazu einholen. Es freut mich, dass du auch am Wochenende so eine tolle Zeit verbringen konntest und wünsche dir für die restliche Woche weiterhin sommerliche Tage, damit dein Rock noch etwas Frischluft schnuppern kann.
    Hab einen ganz wunderbaren Abend und alles Liebe

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    1. Danke liebe Gesa! Irgendwie war die Woche dann doch wieder so schnell (fast) vorbei, dass ich erst heute zum antworten komme…vermutlich, weil ich jeden Strahl explizit aufgesaugt habe, hihi…
      Jetzt ist es immer noch sonnig, aber kühl. Ist auch ok und kann wg. mir gerne so bleiben. Da macht dann eigentlich alles Spaß. Ob drinnen oder draussen 😉
      Bin gespannt auf Deine polarisierende Lektüre. Sehr gemein so geheimnisvoll zu sein….
      LG und schönes Wochenende,
      Nicole

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  2. Hallo liebe Nicole,
    hui, die einzige Geschichte klingt wahrhaft nach starkem Tobak. Dazu muss man glaube ich in Stimmung sein.
    Ich finde aber gut, dass du das auch genauso ansprichst. Und Essen und Rock sehen echt lecker aus.
    Den Rock solltest du öfter tragen- ich finde ihn nicht Hippie sondern hip!
    Hab eine schöne Woche.
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. 🙂 Danke Nicole! Freue mich über Deinen lieben Kommentar. Das Buch ist echt heavy gewesen. Ich bin ja ein Freund von tiefgründigem, bzw. ein Feind von Oberflächlichem, aber in der Regel mache ich es mir nicht anstrengender als nötig. So halte ich mich z.B. meist (nicht immer) fern von Büchern, die mit Nazis zu tun haben. Das deprimiert mich zu sehr.
      Auf alle Fälle naht schon das nächste Wochenende in großen Schritten ***freu***

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  3. Hallo Nicole,

    finde es wunderbar, hier eine weitere Leseratte gefunden zu haben! Ein Wochenende mit Sonne, Lesen, Bewegung und gutem Essen zu verbringen ist auch für mich das Höchste 😉

    Danke für Deine Tipps. Mit Julian Barnes bin ich allerdings schon beim ersten Buch nicht richtig warm geworden. Spitzfedrige Engländerinnen allerdings liebe ich….

    Liebe Grüße
    Erika

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  4. Hallo Nicole, Du verschlingst erstaunlich viele Bücher. Bei mir sind das Phasen, manchmal lese ich einige gleichzeitig, dann wieder widme ich mich anderen Lebensbereichen. Dein Geschmack in puncto Literatur gefällt mir und ich bin sicher, dass auch Deine Einschätzung zutreffend ist.
    Habt Ihr schon die Speckpfannkuchen bei Meuser probiert? Zu Hause sind sie mir nie so gut gelungen (auch bei Schumacher sehr gut). Vermutlich liegt das an der gusseisernen Pfanne, in der seit Jahrzehnten nichts anderes zubereitet wird? Herzliche Grüße aus dem Taunus! Maria (Hot hot hot bei uns)

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    1. Ohhhh da sagst Du was…..wir hatten kurz überlegt: Sülze oder Speckpfannkuchen. Es wurde die Sülze…aber der Pfannkuchen kommt beim nächsten Mal dran. Das einzige, was mir da nicht gefällt ist, dass der Service ein bisschen stoffelig ist. Hast Du die Erfahrung auch gemacht?
      Was die Anzahl meiner Bücher betrifft, so ist sie im Moment sehr gering. Früher habe ich viel mehr gelesen, weil ich da viel Öffis gefahren bin, d.h. 2 Stunden lesen am Tag waren das normal…
      Danke auch für den Geschmack 🙂

      LG in die alte Heimat Nicole
      PS: am Samstag bin ich auch wieder mal in Wiesbaden. Freue mich schon.

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