Ein Service der besonderen Art

Leere Herzen von Juli Zeh möchte ich Euch gerne empfehlen. Die Frage ist nur wie? Ich könnte Euch schildern worum es geht, aber im Anschluss müsste ich Euch töten. Wegen Spoiler Alarms…hihi. Tatsächlich geht es um einen Service in der nahen Zukunft Deutschlands, den es zu entdecken gilt. Wie genau er funktioniert ist Bestandteil des ersten Drittel des Buches, und es wäre super witzlos, wenn ich das jetzt verraten würde.

Fakt ist, dass man aus logischer und ökonomischer Sicht noch denken könnte „Hm, so weit hat bislang sicher noch keiner gedacht, aber macht Sinn.“ So zynisch dieser Gedanke auch wäre. Fakt ist ebenfalls, dass die Protagonistin Britta ins Zielfeuer anderer Mächte gerät, deren Gefährlichkeit sie gar nicht hoch genug bewerten kann. Ganz zu Recht flieht sie und muss dabei alles hinter sich lassen. Auf der Flucht begleitet sie ihr Geschäftspartner und eine ihrer ‚Servicekräfte‘.

Fakt ist auch, dass das Szenario vielleicht gar nicht so unmöglich ist, wie man auf den ersten Blick (wenn man dann mal weiß, worum es geht) meint. Immerhin geschrieben mit juristischem und somit kriminellem Sachverstand der Richterin Zeh. Aber was macht die Brücke? Und warum überhaupt Brücke?

Schon bei „Unterleuten“ hat sich Juli Zeh für mich durch ihre prägnante Schreibweise ausgezeichnet. Ich, die ich eigentlich überhaupt keine Krimis mag, die nicht zum Beispiel einfach nur charmant sind, wie die Falvia De Luce, oder die Bretonische Reihe, erliege schon zum dritten Mal, weil es schlicht und ergreifend hervorragend einfallsreiche Plots sind. Und eine gewisse Aktualität zur derzeitigen Situation wird schnell deutlich.

Ich sag nur: Aluhüte.

Ein intelligentes Buch mit einem grausig realistischem Hintergrund. Stringent durchdacht, ein bisschen böse und echt überraschend. So. Und mehr verrate ich nicht, sonst verrate ich zu viel. Juli Zeh, Gesellschaftskritische und Krimi-Liebhaber kommen auf ihre Kosten.

Denjenigen, denen Juli Zeh noch nicht begegnet ist, würde ich eher „Unterleuten“ ans Herz legen. Hier gefällt mir noch besser, wie sie in die Köpfe der verschrobenen Dorfbewohner taucht und die Figuren wunderbar detailliert zeichnet.

Mittlerweile kann ich übrigens auch wieder die Vorzüge meines Home Office Daseins schätzen. Da kann man Mittags lecker Müsli mit gutem Buch, oder einen schönen Spaziergang im Jogging Anzug genießen.

Die letzten Herbstfarben, frischer Wind, Regen und grauer Himmel bestimmen noch meine Umgebung. Ich mag es, wenn das Wetter Natur pur und ein bisschen eckiger ist. Zum einen ist weniger los, zum anderen ist viel mystische Stimmung in der herrlich frischen Luft.

Vorbei am Kunsthaus lockt die Ausstellung „Empört Euch!“ mit ihrer Kriegskunst. Und der Mahner ruft direkt auf die Kö: „Maskenpflicht“.

Es ist viel schwieriger eine solche Stimmung einzufangen, als die Fotos mit Sonne und blauem Himmel. So ging es mir leider (!) auch damals in Schottland. Es gibt einfach auch Augenblicke, die man nur im Gedächtnis echt behalten kann.

Home sweet home

Und für Morgen bin ich auf den neuen US-Krimi „Election“ gespannt. Ich hoffe, der dünne Alte gewinnt und vertraue auf die Zukunft mit der Vizepräsidentin. Fingers crossed!

23 Kommentare zu „Ein Service der besonderen Art

  1. Liebe Nicole,
    erstmal das vermeintlich Oberflächliche: Süß siehst du mit deiner Mütze aus.
    Ja, Home Office hat Qualitäten, dei wir nur schätzen müssen.
    So, Election ist Thriller- bei dünner Alter musste ich schmunzeln, meine Hoffnung ist deine. Warten wir ab. Was auch sonst?
    Das Buch klingt spannend, wobie ich das zweite spannender klingend finde als das erste.

    Hoffen wir bei allem das Beste.
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Also Unterleuten musst Du quasi lesen…und ansonsten: Danke schön für das Kompliment zur Bad Hair Day Jogging Klamotte…wenn ich gewusst hätte, dass es so einfach ist, hihi…
      Und der Dicke will es einfach nicht glauben. Hoffentlich kann er es nicht passend für sich machen….

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  2. Ach, wie ich dein Humor liebe! Du darfst uns doch nicht töten, wer soll dann später dein Blog lesen 😄? Danke für den Tipp! Bin übrigens auch gespannt, ob am Ende der dünne Alte wird oder das Sonnenbank Opfer mit der blonden Welle. Liebe Grüße!

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  3. Das klingt, als ob ich dir vertrauen kann. Bestellt. ‚Unterleuten‘ war toll 🙂
    Und du hast recht: Der Kaffee im Homeoffice ist der beste. Und auch sonst alles. Blöderweise muss ich morgen wegen zwei Terminen vor Ort sein *hhrrrrrr*

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    1. grrmmll*** das ist ätzend. Seit heute ist in D-Dorf überall Maskenpflicht. Man sieht jetzt echt viele auf der Straße. Ich merke an mir selbst, dass der Abstand mir gar nicht mehr groß genug sein kann. Ich hoffe, ich werd nicht paranoid. Obwohl…würde zum Buch passen…
      Danke für Dein Vertrauen. Aber denke dran….ich habs gesagt…..es ist nicht so gut wie Unterleuten….

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  4. Tolle Herbstbilder liebe Nicole, ja, noch ein paar Tage und dann sind die schönen bunten Blätter auch weg. Ich mag diese Stimmung auch sehr. Bei Deinen Suchtipps komme ich gar nicht mehr hinterher, schaffe ich es zur Zeit kaum zu lesen, habe abends immer gerade noch genug Energie in ein paar Zeitschriften zu blättern. Ich bin immer noch bei Nick Hornby.
    Schöne Restwoche für Dich
    Sigrid

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    1. Hi Sigi,
      komisch, dass man gefühlt kürzere Tage hat, oder? Erstaunlich, was Licht ausmacht. Für meinen Geschmack lese ich viel zu wenig, obwohl, seit Home Office, lese ich in meiner Mittagspause. Aber irgendwie gucke ich aber auch viel (zu viel) fern – bin gerade süchtig nach Profiling Paris – und bin viel müder, obwohl ich durch Home Office eine Stunde länger schlafe.
      Andererseits drehe ich nach Feierabend (egal wie dunkel) meine Runde draußen, weil ohne frische Luft geht gar nicht.
      Gefällt Hornby denn? Ich hoffe!
      LG und schöne Woche auch für Dich,
      Nicole

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      1. Nie Fernsehen????????????? Ächhhhhhhhhhhht? Respekt. Ich lasse mich schon viel berieseln, aber lese auch relativ viel.
        Unabhängig davon, was die Müdigkeit betrifft, so ist das bei schwindendem Licht ’normal‘. Weißt Du bestimmt, aber falls nicht: der Körper kann ohne Licht kein Vitamin D bilden. Jetzt ist es wieder wichtig Vitamin D3 zu supplementieren. Ich mache das immer im Herbst / Winter.
        Vielleicht noch ein Tipp von mir, wenn Du magst. Skinny Coffee – soll eigentlich schlank machen, enthält aber wirklich tolle Zutaten und schmeckt (mir zumindest) super – hochdosiert Coffein der grünen Kaffeebohne, Grünteeetrakt, Ginseng, Chlorella usw. Ich liebe das Zeug. Es kurbelt den Stoffwechsel (und die Wachheit) an und schmeckt super lecker.
        LG nach Nürnbersch.

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      2. skinny coffee habe ich noch nie gehört, werde mich mal auf die Suche machen und ausprobieren. Vitamin D versuche ich immer, vergesse ich dann aber oft, klappt bei mir nicht regelmäßig.
        Schönes Restwochenende noch.

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  5. Hallo Nicole,
    ich bin auch absolut kein Krimi-Fan und muss gestehen, dass ich noch nie ein Buch aus dem Genre gelesen habe. Werde aber dann mal mit deiner Alternative liebäugeln. Vielleicht ist das dann ja auch mal was für mich 🙂 Danke für den Tipp!

    Wünsche dir einen ganz tollen Tag! Und immer dran denken, es ist bald Wochenende 🙂

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

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    1. Liebe Linni, also für Flavia lege ich meine Hand ins Feuer und würde quasi eine Geld-Zurück-Garantie abgeben: Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet!
      Wäre echt gespannt wie es Dir gefallen würde. Auch „Unterleuten“ ist einfach nur großartig, wobei nicht so charmant wie Falvia.
      Auf alle Fälle was für die dunkle Jahreszeit.
      Ganz viel Spaß und frohes baldiges Wochenende!

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    1. Vielen Dank Vanessa, wie lieb von Dir!
      Ich bin ja kein reiner Bücherblog, liebe es aber zu lesen, deswegen kombiniere ich sehr gerne. Und zwischen dem Lesen denke ich viel nach, während ich viel spaziere…
      Corona = viel Zeit
      LG und schönen Abend!

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  6. Oha, genau so. Ich fand übrigens beide Bücher von Juli Zeh sehr spannend, Unterleuten sogar noch grusliger (ich komme aus einem Dorf in Brandenburg) und hab es meinem Vater jetzt „angeordnet“. Er hatte nämlich eine Anfrage von einer Solar“bude“ für seinen Acker. Immerhin kein Windpark. Und so waren wir in einem Gespräch über romantische Vorstellung von Landwirtschaft und Landleben und waren dabei die ganze Zeit der gleichen Meinung. Ach!
    LG Ilka

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