Irgendwie ist mittlerweile der Mittwoch zum Tag der Buchbesprechung avanciert. Hat sich so ergeben. Also warum nicht auch heute. Never change a running system …

Zweifelsfrei ein Werk, das Euch schon zu den Ohren rauskommt, weil es so häufig besprochen wurde. Aber vielleicht kennt die eine oder der andere es ja doch noch nicht. Oder aber konnte sich ob der polarisierenden Stimmen noch nicht überwinden.

Dann lege ich es Euch wirklich gerne ans Herz. Dann, wenn Ihr wahlweise selbst schonmal sehr zornig wart, oder Euch in jemanden hineinversetzen möchtet, der schonmal so zornig war, dass er sich und alle anderen hasst, der ist bei „Alte Sorten“ goldrichtig. Und noch richtiger, wenn man gebannt verfolgen möchte, wie man der Wut Herr (oder Dame) wird. Und wie die Wut in Freundschaft, gar Liebe umschlagen kann. Die ganze Klaviatur der Gefühle ist in diesem kleinen Buch verpackt.

Aber den Anfang nimmt die unbändige Wut. Kenn ich.

Die 17-jährige Sally ist so eine Kandidatin. Sie ist aus diversen Kliniken abgehauen und landet bei der stillen, starken Liss auf dem Hof. Irgendwie ist die anders. Sie lässt sie ohne Kommentar sein. Schlimmer noch. Sie versucht, auf die harte Tour zu verstehen.

Dieses ungleiche Gespann führt uns durch einige tiefe, aggressive und düsterdunkle Täler, um aneinander zu wachsen. Sie stellen sich ihren Ängsten, ihren Verlusten, ihrer Schuld und eine fängt die andere auf, denn ihre Familien und Freunde verstehen nicht.

Sie flüsterte. Ich esse doch nur nicht, weil ich hier nichts schmecken kann.

Alte Sorten, S. 131

Ein leises, starkes Buch, ein kleines tiefsinniges Juwel.

Wer aber zwingend ein Happy End erwartet, der muss leiden, denn gut füreinander zu sein, reicht vielleicht nicht.

Es fällt mir schwer viele Worte zur Beschreibung zu finden, denn die Handlung ist sehr übersichtlich. Nix Episoden mit unendlich vielen Personen und Handlungssträngen. Nein. Es sind einfach nur diese beiden Frauen, Fremde, die sich um ihren Schmerz und den gemeinsamen drehen. Fern von der Welt.

Klingt depressiv? Ist es nicht die Bohne. Es ist „beglückend“. Es bietet Luft zum Atmen, Zeit, über seine Untiefen nachzusinnen und last but not least viele praktische Anleitungen. Zum Honig machen, Brot Backen, Birnenschnaps brennen u.v.m.

Anders als die köstlich beschriebenen Birnensorten allerdings, ist es nicht mit leichter Kost zu verwechseln, wie es sie bei mir Mittags gerne mal gibt 🙂

Lasst Euch drauf ein, wäre mein Rat.

Zum Weiterhören: kratzig, schief, derb, „gradaus“ – mein Kompliment Herr Arenz.

Diese Angaben sind wie immer ohne Gewähr.

Posted by:Nicole Kirchdorfer

Hi, meine Name ist Nicole und ich bin frische 51 Jahre alt. Ich lebe mittlerweile in Düsseldorf. Und das als geborene Kölnerin. Aber: ich werde geduldet! Aufgewachsen bin in Bayern, hatte eigentlich mein Herz an die Hessen verschenkt und bin nun doch happy in NRW gelandet zu sein. Ich interessiere mich für Mode, gute Bücher, Sport und gutes, gesundes Essen und möchte meine Leidenschaften gerne teilen. Mehr persönliches über mich erfahrt ihr auf Nikileaks.

21 replies on “Alte Sorten – zornig, berührend, zornig

  1. Guten Morgen Nicole! Schön, dass Dir die „Alten Sorten“ auch so gut gefallen haben. Für mich waren sie definitiv eines meiner absoluten Lieblingsbücher im letzten Jahr und ich bin jetzt schon sehr gespannt auf den neuen Roman von Ewald Arenz, der im März erscheinen wird. Dir einen wunderbaren Tag, eine schöne Restwoche und herzliche Grüße! Barbara

  2. Schwesterchen,
    puh, klingt nach starkem Tobak, aber auch reizvoll. Das Kompliment, gesprochen und gesungen, das liebe ich innig. Danke für deinen schönen Beitrag und das Appetitmachen.
    Ich wünsche dir einen feinen Mittwoch und die beste Restwoche ohne Wut.
    Liebste Grüße
    Nicole

  3. Fand das Buch auch toll! Habe es vor ca. einem Jahr gelesen und es hat Eindruck hinterlassen (was wahrlich nicht bei allen Büchern der Fall ist). Die langsame Annäherung der beiden Frauen und das sukzessive Aufrollen aller Hintergründe braucht Zeit. Ich mag sowas, wenn es nicht langweilig wird. Und das wurde es nicht. —- Freue mich übrigens immer über deine Rezensionen und damit auch Leseanregungen! 😉 Viele liebe Grüße 👋🏻

  4. Liebe Nicole, das ist ja mal wieder eine Buchempfehlung, die mich sofort anspricht. Nur passt mein Zeitmanagement nicht, ich lese seit zwei, drei Jahren einfach zu selten, das komme ich Deinen Empfehlungen gar nicht hinterher.
    Ich glaube ich brauche ein Liste von leicht nach schwer, von dünn nach dick und eine Terminschiene dazu.😉
    Viele Grüße aus dem verregneten Nürnberg (eigentlich Lesewetter)
    Sigi

    1. Hahahahaha….stelle ich Dir natürlich sehr gerne zusammen nach Prio und Dicke! Oder lieber doch nicht 😉 Da musst Du durch. Ich mache es übrigens so, dass ich eine Bücherliste auf Amazon habe, wo ich alle Empfehlungen reinpacke. Wenn meine Bestände auf unter 10 laufen, dann gehe ich in die Liste und ordere….

  5. Hallo Nicole,
    ich würde es toll finden, wenn du mittwochs immer einen Bücherbeitrag online stellen würdest. So langsam vermisse ich es zu lesen, aber ich hatte andere Sachen im Kopf wie du ja weißt 😀

    Erst dachte ich auch, dass das Buch einen runterziehen könnte, aber schön, dass du eben aufgeklärt hast, dass das Buch noch so viel mehr ist. Ich werde es mir auf meine Leseliste schreiben. Danke für den Tipp!

    Wünsche dir einen tollen Tag!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  6. Das hast du so super beschrieben. Stimme voll zu, ein großartiges kleines Buch, und kommt der Autor ja auch noch von hier und man kann sich den Ort hier irgendwo in der hügeligen Gegend vorstellen.

  7. Liebe Nicole,
    danke für Deine Buchtipps! Ich nehme sie gerne an und bis jetzt wurde ich nie enttäuscht.
    Also werde ich mir auch dieses kleine Juwel besorgen….
    Einen schönen Abend
    Erika

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