200 Jahre Achtsamkeit – ein Vorreiter

Das Thema Achtsamkeit ist derzeit zu Recht in aller Munde, bzw. in aller Bloggerinnen Posts. Ist ja nichts bahnbrechend Neues, dass in Zeiten von Corona Lockdowns alle ins Grübeln gekommen sind. Klar. Man war auf sich fokussiert und man hat viel mehr auf sich geachtet, schließlich waren die äußeren Umstände ja alle belastend.

Also hat man sich Gutes getan. Ist viel an die frische Luft gegangen, hat sich deutlich mehr bewegt und aber auch Zeit für’s Kochen und Genießen gehabt, schließlich gab es außer Lebensmittel ja nix zu kaufen. Erzwungene, aber nicht ganz unwillkommene Entschleunigung vom hektischen Alltag. So zumindest habe ich es empfunden und die Menschen, die es nicht finanziell gebeutelt hat, sicherlich auch. Zumindest am Anfang …

Ok. Ich gebe zu, es dauert einfach zu lange an. Klar. Aber, ich kann nicht verleugnen, eine Menge an Achtsamkeit mir selbst gegenüber, gewonnen zu haben.

Und wer hat’s erfunden?

Fragt sich der eine oder andere Schwiezer-Dütsche (Achtung Lautsprache). Nicht die Schweitzer, sondern Kneipp. Und also haben wir neulich 200 Jahre Achtsamkeits-Vorreiter gefeiert. Denn wer hätte gedacht, dass der schrullige Bade-Priester Kneipp schon vor gefühlten Ewigkeiten seine fünf Säulen manifestiert hat:

  • Kräuter (Heilpflanzen für die Gesundheit)
  • Bewegung (maßvoll gegen Streß und Hektik)
  • Innere Balance (Ruhe und Auszeit nicht vergessen)
  • Gesundheit und Genuss (ausgewogen und mit Genuss Essen)
  • Und natürlich: Kraft des Wassers (heilende Wechselbäder)

Tja. Und mir persönlich ist Herr Kneipp, dessen Namen jeder kennt, der aber eigentlich nur auf’s Wassertreten reduziert wird (zumindest hatte ich das getan) in den Tagesthemen vom 27.5. begegnet.

Denn da hat ein anderer Priester in der Kneipp Hochburg Bad Nauheim eine Ampel zu Ehren des Achtsamkeits-Pabst installiert. Einfach nett. So kommt man ins Fernsehen.

Bislang wenig achtsam geht die Protagonistin meiner heutigen, sehr witzigen Buchempfehlung „Sieh mich an“ von Mareike Krügel mit sich um. Bis, ja bis Katharina einen Knoten in ihrer Brust ertastet und sie neben dem alltäglichen Wahnsinn, den sie alleine meistert, da ihr Gatte im schicken Berlin arbeitet, beginnt nachzudenken. Auf die außerordentlich witzige Art, während sie sich genüsslich besäuft und ernsthaft darüber nachdenkt, sich von ihrer ganz alten Liebe Flachlegen zu lassen.

Nur schnell noch die Ratten, deren Gehege zu schließen sie im Suff, äh in der Achtsamkeitsübung, vergessen hat, suchen. Im Garten stellen sie fest, dass sie aus dem Freigehege geflohen sind, finden aber stattdessen den Finger des Nachbarn bzw. der Nachbarin (also ehemals Nachbarin, denn Theo und Heinz waren mal Frauen). Den Finger jedenfalls hatte Theo sich am Nachmittag abgesäbelt und alle hatten ihn hektisch, ohne Erfolg, gesucht. Nun ist es Nacht und zu spät.

Ketzerische Statements über Globuli-Produzenten unterstütze ich 100%

Wie es ausgeht verrate ich natürlich nicht. Aber ich hab streckenweise ziemlich lachen müssen, denn alle Charaktere, mit denen die ansonsten lakonische Katharina sich befasst, sind besonders. Besonders schrullig, besonders nervig, aber auch irgendwie besonders liebenswert. Wie Ihre ADHS Tochter Helli, ihre unfassbar schöne, aber anstrengende Schwester Sissi, ihr überschlauer Sohn Alex und letztlich auch sie selbst.

Ich hab jetzt übrigens auch eine Putzfrau 🤔

Die ‚Kritik‘ von Kristof Magnusson, dessen Bestseller „Das war ich nicht“, ich sehr mochte, trifft es perfekt:

Mareike Krügel ist eine geniale Erzählerin. Ihr Roman ist große Kunst: Denn er ist klug, bestürzend, zupackend und humorvoll, manchmal sogar alles zugleich.“

Kristof Magnusson / Klappentext „Sieh mich an“.

Ein perfektes Buch für einen achtsamen Abschalttag. Und mal ehrlich, wer möchte das nicht: wirklich angesehen zu werden?

Und ihr so?

Nach dem Buch ist übrigens vor dem Buch. Ist klar, ne?

23 Kommentare zu „200 Jahre Achtsamkeit – ein Vorreiter

  1. Obwohl meine Namensvetterin, habe ich noch nichts von Mareike Krügel gelesen. Sollte ich wohl nachholen. Danke dir für den Tipp 😉

      1. Achtsamkeit… hmm, ich kann nicht behaupten, dass es sich großartig etwas bei mir in den XX Monaten geändert hat. Vielleicht zum Nachteil. Da das Arbeiten anders koordiniert war, habe ich das Gefühl, kann alles später machen und danach mich um mich und andere zu kümmern. Kneipp ist mir auch nur von der „Spa“ Seite bekannt, aber die Ampel ist mega! Liebe Grüße!

  2. Danke für den Lesetipp. Bei Deinem Satz „Ketzerische Statements über Globuli-Produzenten unterstütze ich 100%“ musste ich lachen. Ich unterstütze Dich beim Unterstützen.

    Gelesen habe ich von der Autorin bisher nichts, Schwestern – der neue Roman – steht auf meiner Wunschliste. Jetzt lese ich dann aber erst einmal in dieses Buch hinein.

  3. Nachtrag: So viel zum Thema Gedächtnis. Beim Versuch, eine Leseprobe des E-Books zu bestellen, sehe ich, dass ich das Buch bereits gekauft habe. Also habe ich es auch gelesen. So langsam setzt ein wenig Erinnerung ein …

    1. Hahahaha….dann war es aber nicht sehr nachhaltig bei Dir, wenn nicht gar – nicht gewollt….
      Ich weiß oft nicht mehr den Inhalt, aber ich weiß immer, ob ich es mochte, oder nicht.
      In diesem Sinne: viel (hoffentlich) Spaß mit den Schwestern.

      1. So, jetzt habe ich es nochmal gelesen. Kommt selten vor. War auch beim zweiten Mal lesenswert. „Schwestern“ liegt jetzt hier und wartet auf mich.

  4. Ja, wir gehen achtsamer durchs Leben als noch vor 2 Jahren, aber ich bilde mir ein, mit meiner Umwelt schon immer achtsam umgegangen zu sein, mit mir selbst nicht so. Nach einem gelungenen Yoga-Retreat bin ich nun wieder zu Haue, aber ich durfte am letzten Tag eine Göttinnenkarte ziehen. Meine Karte sagte mir, dass sich mir eine Tür öffnen wird, jetzt muss ich achtsam genug sein, diese Tür auch zu bemerken.
    Ganz liebe Grüße und eine Umarmung
    Sigi

    1. Göttinenkarte?
      Ist das so eine Mischung aus Yoga mit Tarot?
      Tatsächlich ist mein Artikel dahingehend auch missverständlich, denn ich meine mit Achtsamkeit grundsätzlich mir selbst gegenüber. Denn diese Achtsamkeit war bislang auch für mich nicht selbstverständlich, während ich glaube mit anderen Menschen sorgsam umzugehen…
      Eine Tür öffnet sich? Das klingt spannend. Bin gespannt!

  5. Liebe Nicole, deine erfrischenden Beiträge sind für mich auch immer so ein perfektes Abschaltprogramm und meistens ist auch was zum Lächeln oder Lachen dabei. Jedenfalls bin ich gleich mal absolut bei dir bei deiner „Unterstützung“ der Globuli-Produzenten – das soll ja gerne jeder halten wie er will, aber ich kann mit diesem Zeug nicht wirklich etwas anfangen. Aber auch ansonsten scheint dieses Buch sehr unterhaltsam sein und der nächste Regentag kommt bestimmt schneller als mir lieb ist – daher gleich mal auf Vorrat bunkern. Übrigens für mich hatte Herr Kneipp auch immer nur eine Verbindung zum Wassertreten – also auch gleich noch was Neues gelernt am Sonntagabend 😉
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe Gesa

  6. Ich habe neulich schon mal was über Kneipp gelesen und war ebenfalls erstaunt. Ich habe den vorher auch immer nur mit Wechselbädern und Wassertreten verbunden! Dabei hat der auch abseits davon viele schlaue Sachen gesagt! 😉

  7. Ja Schwesterherz, dieses Achtsamkeitsding ist schon besonders. Ich finde es superwichtig, aber im Rahmen (wenn Achtsamkeit in Ehrgeiz ausartet, dann..) Das Buch klingt fein, bei den Globuli bin ich gespalten, denn ich konnte früher die Kinder damit gut anschmieren (die Wunde heilt ganz schnell und tut nicht mehr weh, deshalb haben wir ja die Kügelchen genommen;)). Klappte gut.
    Und bitte achte immer gut auf dich, auch wenn diese Situation nicht mehr andauert, denn du bist so wichtig.
    Bussi
    Nicole
    P.S.: Auf Sigis Tür bin ich gespannt, ich habe auch mal so eine Karte gezogen und sie hat mir eine Entscheidung entweder erleichtert oder ermöglicht. Also geklappt hat es.

    1. Wie es immer so ist….man muss sich drauf einlassen. Mit zu vielen Bedenken, öffnen sich keine Türen und Globulis (oder Placebos) helfen nicht.
      Bei Türen bin ich spontan am durchrennen, bei letzterem skeptisch.
      Aber am Ende des Tages lernt man a) nie aus und b) kommt es vielleicht weniger auf Wirkung, sondern auf das „angenommen/wahrgenommen“- Gefühl an, dass der ‚verschreibende‘ Gegenüber an den Tag legt, um sich besser, oder gar geheilt zu fühlen….

      Dickes Bussi zurück und sonnige Augenblicke für Dich!

  8. Hallo Nicole,

    Achtsamkeit, da bin ich mittlerweile vorsichtig geworden. Es ist so ein Modewort und jeder versteht etwas Anderes darunter. Bewusst und mit möglichst allen Sinnen durch das Leben gehen, so würde ich es übersetzen. Und auch sich selbst nicht vergessen. Denn ein ausgelaugtes Gegenüber nützt niemandem etwas.

    Das Buch werde ich mir anschauen. Allerdings teile ich nicht diese abschätzige Meinung gegenüber Globuli. Vor 20 Jahren haben sie mir einmal sehr geholfen. Mag sein, dass es auch an der Ärztin lag, die sich endlich Zeit für mich nahm. Nachdem zahlreiche Ärzte mit besorgtem Blick mir nur ein Medikament nach dem anderen verschrieben hatten. Die mich nur noch kränker machten.
    Nein, ich bin keine Esoteriktante, die für alles und jedes ihre Kügelchen hat. Aber ganz verteufeln möchte ich diese Art von Medizin nicht.

    Einen schönen Abend
    Erika

    1. Wohl wahr, Erika, Achtsamkeit ist echt ein Trend. Bewusst leben trifft es wohl sehr genau. Und ich denke, dass da jeder seinen eigenen Weg hat und haben muss. Auch was die Medizin betrifft. Sicherlich gibt es nicht nur Scharlatane, so wie die, von denen ich weiß…
      Am Ende des Tages bin ich davon überzeugt, dass Krankheit ohnehin viel mit Psyche zu tun hat….also: bewusst und mit Bedacht…dann braucht man hoffentlich weder das eine, noch das andere Mittel…
      VG und schönes Wochenende!

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