Maulf. Kennt Ihr, oder?

Bin ich dieser Tage. Und schreibf auch.

Eine Wortkreation, die mein Bruder und ich zusammen entwickelt haben, wenn wir besonders maulfaul waren.

„Was geht ab?“

„Nmpf.“

„Maulf?“

Nicken.

So die damalige Kommunikation, wenn keine Kommunikation gewünscht war.

Ein paar Jahre mussten wir es miteinander in einer WG aushalten. Anfangs haben wir uns mit Hand und Fuß gesträubt, aber dann eigentlich prächtig verstanden. Ich werde nie das Ein-Mann-Orchester meines Bruders vergessen, mit dem er mich mal aufheitern wollte. Mission completed. Ich hab mich vor Lachen weggeworfen. Das war einer unserer Non-Maulf-Momente.

Wie ich jetzt darauf komme? Nun, weil ich beim Einrichten auf das Bild von uns gestoßen bin, dass mich daran erinnert hat. Während mein Bruder ganz offen und fröhlich frei lächelt, trotz seiner Haare, sehe ich aus, als ginge mir der perfide Plan eines neuen Streiches durch den Kopf. Oder?

Die schmalen Lippen zusammengekniffen mit einem feinen, heimtückischen Lächeln, vermutlich weil ich mir gerade vorstelle, wie ich mich an meiner Mutter für die Frisur und die Kluft rächen werde.

Kann ich übrigens immer noch, auch wenn ich mich heute als Gutmensch gebe. Muss ich schon wieder lachen, denn das hat neulich eine Freundin über sich geschrieben. Sie tue jetzt als sei sie ein Gutmensch. Tut man ja gut dran heutzutage. Umweltbewusst, emphatisch, achtsam, das volle Programm. Bin ich, bin ich bisschen, bin ich manchmal…aber lass mich nicht auf die Autobahn, wie letztes Wochenende.

bisschen faltig, aber immer noch mit Schalk im Blick…

Da fluche ich wie ein Bierkutscher über Deutsche im Allgemeinen, über bekna… Mittelstreifenfahrer im Besonderen und beklage lautstark die Sinnlosigkeit dreispuriger Autobahnen angesichts dieser ganzen Egozentriker, die meinen mit 100 ist die mittlere Fahrbahn eine sichere Bank. Nur für den Fall, dass sie mit 110 einen anderen Mittelstreifenfahrer- gefühlte 8 Stunden – überholen Natürlich ohne zu berücksichtigen, dass ich mit 200 von hinten anrausche. Ja was? Wenn ich ein schnelles Auto habe, dann fahre ich schnell. Gleiches galt für das Motorradfahren. „Freies Blasen“ nannte mein Moped-Fahrlehrer Strecken ohne Tempolimit. Daran halte ich mich ebenso, wie an alle Geschwindigkeitsbeschränkungen. Für teure Tickets bin ich viel zu geizig.

Von mir aus könnte man die 120 oder 130 Begrenzung einführen. Dieses Stop and Go führt nur zu erhöhter Unvorsichtigkeit, mehr Aggressivität (auch bei mir) und unterm Strich zu mehr Chaos auf den Straßen. Wir sehen doch, dass das in den Niederlanden und Frankreich super funktioniert. Dann bräuchten wir gar nicht erst den Ausbau auf vier- und noch-mehr-spurige Autobahnen und könnten uns alle als Gutmenschen feiern, hihi.

Immerhin hat mich mein Gasfuß quasi wie der fluchende Blitz zu einem Wochenende in der alten Heimat gebracht.

Apropos Gasfüsse. Mir war gar nicht klar, dass ich Berühmtheiten mit 9,8 Sekunden-Füsschen kenne. Erzählt mir meine liebe „Augenbrauen-Tante“ Sandra doch beim Nach-Pigmentiertermin, dass sie eine Dragster-Queen war, die auf dem Hockenheimring 60 Tausend Zuschauer zu einer Laola-Welle hingerissen hat. Wusste nicht mal, dass Dragster-Rennen ‚Hochgeschwindigkeitsfahren‘ bedeutet. Immer wieder erstaunlich, was in den schlanksten Persönchen so steckt. Wie immer eine schön qualvolle Stunde verbracht 🙂

Augenbrauen sitzen wieder und weiter ging es bei herrlichem, um nicht zu sagen, abartig heißem Sommerwetter in die Stadt, um ein bisschen zu bummeln. Ging aber echt nur mit Hut.

Da schleppte ich mich also von Kaffee zu Kaffee und suchte hin und wieder die Abkühlung in einem klimatisierten Laden. Nach dem Autobahn-Geärgere und der Augenbrauen-Quälerei fand ich unterbewusst offenbar, dass ich ein kleine Shopping-Aufmunterung verdient hätte. Ich gebe zu, ich habe nicht lange widersprochen und mir als erstes mal eine kurze Jeans und, ok, vielleicht nicht zwingend notwendig, aber doch sehr schön, ein Kleid gekauft. So viel zum nachhaltigen Gutmensch.

Shoppen strengt eben auch an…

Wenn es sich dann eh schon hat, dann macht es auch nichts mehr bereits am frühen Nachmittag das Trinken anzufangen. Wat mut, dat mut.

Am Abend habe ich mich mit Freunden getroffen. Und wie man so zusammensitzt und über die Impfmisere schimpft (komme aus dem Schimpfen gar nicht mehr raus), da stellt sich heraus, dass meine Freundin stundenweise bei einer Ärztin arbeitet, die impft. Ein paar Stunden später hatte ich einen Impftermin für Freitag und damit nächstes Wochenende eine weitere Gelegenheit mein liebes Wiesbaden zu besuchen.

Ein rundum perfekter Tag, mit lecker Essen und einem Sieg der Deutschen Fußballelf über Ronaldo und die anderen 10. Bisschen beängstigend fand ich in diesem Zusammenhang die engen Jubel, die ich selbst ein paar hundert Meter weiter gesehen habe, wie auch die Bilder aus den Nachrichten, die ich später im Hotel gesehen habe.

Dieses Umschalten von Null auf Hundert ist mir immer noch ein bisschen suspekt, auch wenn ich das Ausgehen weiterhin derart genieße, dass ich im Augenblick kaum zum Lesen oder Bloggen (deshalb: schreibf) komme. Falsch. Ich nehme mir momentan nicht die Zeit dafür das zu tun, weil mich die Alternativen zu sehr aus dem Haus locken.

So habe ich exzessives Fernsehen im Hotel nur kurz genossen, weil gleich eingepennt und am nächsten Morgen was vor. Und zwar Yoga. Ohne, dass ich sonst Yoga machen würde, aber die Freundin und die Lokation sowie das ein bisschen abgekühlte Traumwetter hatten große Anziehungskraft.

Ich bin ja nicht esoterisch veranlagt, aber wenn man im kühlen Gras die Totenstellung per Klangschale und sanfter Klaviermusik vollzieht, dabei einen seichtes Lüftchen spürt und den blauen Himmel durch die lichten Blätter der fernen Baumkronen ansieht, dann …

Einfach nur traumhaft.

Heute, zwei Tage später, habe ich Muskelkater im Quadrat. Sportlich war es also auch noch was.

Gelungenes Wochenende.

Hoffe, Ihr hattet es auch so schön. Falls nicht, schicke ich Euch mal eine Prise Inspiration und Energie rüber und wünsche eine schöne Woche!

Wenn ich es recht bedenke, kann man von maulf, bzw. schreibf nicht wirklich ausgehen 🙂

Posted by:Nicole Kirchdorfer

Hi, meine Name ist Nicole und ich bin frische 51 Jahre alt. Ich lebe mittlerweile in Düsseldorf. Und das als geborene Kölnerin. Aber: ich werde geduldet! Aufgewachsen bin in Bayern, hatte eigentlich mein Herz an die Hessen verschenkt und bin nun doch happy in NRW gelandet zu sein. Ich interessiere mich für Mode, gute Bücher, Sport und gutes, gesundes Essen und möchte meine Leidenschaften gerne teilen. Mehr persönliches über mich erfahrt ihr auf Nikileaks.

26 replies on “Letzte Woche und Heute maulf

  1. Schöne Wortschöpfungen. Mein Mann würde sich manchmal wünschen, ich wäre mehr maulf. …

    Mit dem Autofahren geht mir das wie Dir. Ich bin für 130 auf deutschen Autobahnen, weil alles mehr zu gefährlich ist wegen der Mittelstreifendeppen und sich mit 85 überholenden LKWs. Solange frei Bahn für freie Bürger herrscht, liebe ich Geschwindigkeit. Das macht aber immer weniger Spaß, weil man dabei für so viele Leute mitdenken und gucken muss. Dass mein Mann nach fast drei Jahren noch nicht mal weiß, wie schnell sein Auto fährt, obwohl auf dem Arbeitsweg freie, gerade, schöne, neue Autobahn liegt, würde mir nicht passieren. Ich glaube, ich muss das mal ausborgen …

  2. Schwesterhasi, wir hatten mal die gleiche Frisur, nur hatte ich keine Schleifen, sondern so rote Kugeln im Haar, das blond war. Aber einen ähnlich hübschhässlichen Pulli trug ich auch. Wenn du jetzt noch sagst, das war ein Pixifotofoto (das sind die, wo man nackisch auf dem Fellteppich lag)… Süß ward/seid ihr..
    Yoga ist prima, Shavasana kann soooo gut sein.
    Und Autofahren tust du offenbar auch wie ich (na ja ist ja auch Familie ;)). Unsere Kinder erzählen heute noch, dass ihr Schimpfwortrepertoire aus den Fahrten mit mir stammt. Gemein, oder?
    Ich genieße wie du die Öffnungen, alles Volle und Enge ist mir jedoch suspekt. Und klar ist das Kleid nachhaltig, du wirst es doch hoffentlich eeeeeeewich tragen?
    Glückwunsch zur Impfung und sei nachsichtig mit denen, die sich mit dir auf der Bahn tummeln werden- die können es nicht so gut wie wir.
    Bussi,
    Nicole

    1. Auf dem Fell habe ich mich natürlich auch geräkelt, Schwesti, aber ich wollte es hier jugendfrei halten. Heutzutage muss man sich da ja offenbar regenbogenmäßig einschränken 🙂
      sofern es mir passen wird (zeige es nächste Woche) trage ich es selbstverständlich ewig. Es ist ein Audrey Kleid durch und durch, also zeitlos.
      Wenn wir also beide so fahren, dann müssen wir doppelt so lange Shavasananen hihi…
      Schöne Woche meine Liebe!

  3. Hi Nicole,
    Maulf – herrlich! Bin ich auch heute, weil einfach leergefaselt am Telefon. Hing nur in irgendwelchem mehr oder weniger spannenden Telefonaten. Naja. Augenbrauen sind ein Traum übrigens!
    Ich bin auch froh, wieder Dinge zu unternehmen, bin aber gerade auch etwas froh über die kühleren Tage, denn wenn es zu heiß wird, werde ich doch auch wieder…faul.
    Liebe Grüße!!

    1. ja bisschen extrem war dieser Samstag dann schon. Aber wenn Du mal in mein biblisches Alter kommst, dann machen 16 Grad Temperatur-Unterschied von Heute auf Morgen Dich noch viel fertiger…
      Und jetzt, ganz ehrlich, ist es für mich wieder nicht Sommer 🙁

  4. Hallo Nicole,

    ich bin wieder mal voll bei Dir: Bitte endlich das Tempolimit auf der Autobahn, das läuft in den anderen Ländern dermaßen entspannt und reibungslos. Nur bei uns gibt es noch so Betonköpfe, die Freiheit mit „freiem Fahren“ verwechseln.

    Das Bild mit Deinem Bruder finde ich absolut schnuckelig. Ja, Du schaust aus , als würdest Du irgendeine kleine Gemeinheit ausbrüten ;-). Solche Kugelgummis besaß ich übrigens auch, aber am Pferdeschwanz oder an geflochtenen Zöpfen. Und dann gab es da noch die „Tammy-Frisur“. Erinnert sich jemand noch daran?!

    Einen schönen Abend und liebe Grüße
    Erika

    1. Tammy Frisur?? Da muss ich passen. Wie war die denn?
      Also ich hab meine Haare auch oft wild offen getragen, weil ich sehr selten so lange stillgesessen habe, wie ich es für dieses Foto musste 🙂

      1. Es gab eine Serie im Fernsehen über ein Mädchen namens Tammy. Diese trug nur den oberen Teil der Haare nach hinten mit einem Kugelgummi zusammengefasst. Der Rest fiel auf die Schultern.
        Ich hatte ganz lange lockige und dicke Haare und wurde oft mit Leidenschaft frisiert 😉
        Liebe Grüße

      2. Ah….na das kann ich mir dann vorstellen. Ohne die Serie zu kennen.
        Schätze meine Mutter musste mit einigen Kaugummis und Verfilzungen in meinen Haaren klarkommen. Ich verzeihe ihr 🙂

  5. Ihr seht ein bissel aus wie Frank Schöbel und Chris Doerk 🤣
    Der Rest klingt auch nett, wir sind momentan auch noch sehr verhalten unterwegs und halten Abstand. Kann sein, dass das überzogen ist, aber Vorbeugen ist besser als Heulen.
    Fürs Impfen drück ich die Daumen, ich war am Tag danach ausgeknockt, war aber nicht ernsthaft.
    LG Ilka

    1. hm….nach Google bin ich bisschen beleidigt…so süß wie wir waren die nie und sind heutzutage grauslig….egal. Heulen will ich auch nicht 🙂
      Ich freu mich jedenfalls aufs Impfen. Ist dann mental einfach noch mal eine Schippe Entspanntheit, ohne größere Risiken eingehen zu wollen….
      LG

  6. Liebe Nicole,

    2. Versuch, beim ersten Mal war mein Text einfach weg – deshalb jetzt etwas kürzer :-).

    Weder Maulf noch Nmpf haben es bisher in meinen Wortschatz bzw. meine Kommunikation geschafft – bin ich weltfremd ??
    Toi, Toi, Toi für die Impfung – beim ersten Mal war alles problemlos, das zweite Mal war doch heftiger, Fieber, Kreislaufprobleme – aber nach 3 Tagen war ich wieder hergestellt – alles gut.
    Beste Grüße
    Martina

    PS: Hoffe Dich am Sonntag nach meiner Blog-Schreib-Pause wieder willkommen zu heißen auf meinem Blog :-).

    1. Hi Martina,
      uuuups….Du warst im Spam gelandet. Keine Ahnung warum…freue mich doch 🙂
      Die 2. Impfung habe ich Ende Juli….hoffe, es wird bei mir etwas entspannter….aber Hauptsache durchgeimpft!

  7. Schöner kurzweiliger Beitrag liebe Nicole, und ich habe Dich ja erst einmal live erlebt und da warst Du ja ganz handzahm, aber ich kann mich Dich vorstellen im Auto, wie Du fluchst und schimpfst wie ein Bierkutscher. Und wenn Dich mal eine Blondine in einem X1 mit Nürnberger Kennzeichen aufregt, sei ein Gutmensch, denn das bin ich, mit ca. 120 auf dem Mittelstreifen oder 130 auf der Überholspur. Dein Wiesbadenbesuch war ja richtig klasse und jetzt bist Du schon wieder dort. Und schreibf bist Du wirklich nicht.
    Schönes Restwochenende noch in Wiesbaden und liebe Grüße
    Sigi

    1. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRRRRRRRRRRGGGGGGGGGGGGGHHHHHHHHHHHHH….ich geb der hübschen Blondine einfach die Lichthube, wir fahren an die nächste Tankstelle und diskutieren das bei nem Kaffee aus 🙂

  8. Das ist ein Beitrag, voll Null auf Hundert oder eher umgekehrt, von Hundert auf Null… Ohmmmm 🙏 Begrenzung auf der Autobahn, tja, wer will wird auch bei 100 Tempolimit auf 200 gehen. Schlimmer finde ich in der Stadt, die ewigen 30ern, wo man normal fahren könnte. Es verursacht nur Stau, Stop and Go und zusätzliche Abgase in der Stadt. Muss normaler Mensch nicht verstehen. Ich bin kein Raser (bin auch zu geizig dafür) aber man muss nicht übertreiben. Liebe Grüße und eine schöne Woche!

    1. Salomonisch, liebe Mira. Recht hast Du.
      Ich persönlich finde ja, man sollte einfach die öffentlichen Verkehrsmittel so damn attraktiv machen (preislich und zeitlich), dass immer weniger Menschen Lust auf Stau und somit auf Abgasproduktion haben würden…
      Eine Runde Gutmensch für Alle!

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