Was bisher geschah…

…so fangen Serien häufig an, wenn man bereits in Staffel 17 Folge 38 ist, ganz nah dran den Überblick zu verlieren, weil es schließlich schon über Generationen läuft, die Hauptdarsteller ausgetauscht wurden, weil vergreist, oder bis zur Unkenntlichkeit operiert und jeglicher roter Faden dem Kommerz geopfert wurde.

Ganz so viel ist die Woche gar nicht bei mir passiert, aber das eine oder andere, dass mich zum Nachdenken gebracht hat.

Allen voran ein nächtlicher Polizeieinsatz über meinem Kopf, eine denkwürdige Party, wo auch eingefleischte Nichttänzer getanzt haben und ein seltener Kater, weil ich offenbar – welche Überraschung – aus dem ultimativen Feieralter raus bin. Wie konnte das geschehen? Wo ist denn nur die Zeit hin?

Beispielsweise die, die wir alle noch gut in Erinnerung haben. Die erste echte Liebe. Oder das, was man dafür hielt. Das, was wahlweise Einschlug wie ein Blitz und ein Leben lang hielt, oder das, was einschlug wie ein Blitz und einem dann die größten Seelenqualen eintrug.

Ich kenne Paare, die tatsächlich noch mit ihrer ersten Liebe zusammen sind. Das sind wenige, aber dafür sicherlich besonders bewundernswert, oder besonders langweilig? Wer weiß das schon? Und wer könnte das jemals beurteilen, außer den Deliquenten selbst…

Es gibt Paare und ganz akut kenne ich tatsächlich zwei in natura, die ihre Jugendliebe wieder getroffen haben und stante pede ihr Leben in den Wind schießen, um ganz von vorne zu beginnen. Mit Ende fünfzig. Das find ich irgendwie toll.

Genau um diese erste Liebe geht es in meinem aktuellen Lesevergnügen. „Der grosse Sommer“ von Ewald Arenz. Ok, zugegeben, man muss schon ein beträchtliches Maß an Phantasie und Duldsamkeit aufbringen, um die Ironie des Titels zugunsten des Inhaltes beiseite zu lassen, aber das sollte leicht gelingen, denn die Geschichte ist tatsächlich „hellsichtig, klug und stets beglückend“. Wenn auch nicht unbeschwert.

Ich befinde mich gerade in der Mitte des Buches. Friedrich hat erst kürzlich seine Beate, das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug, im Schwimmbad kennengelernt. Auf dem siebener. Von dem er sich nicht runtertraut.

Schlussendlich springen sie natürlich doch. Zusammen. Auch mal mitten in der Nacht, wo der Bademeister die Vierercrew erwischt. Aber all die Ablenkungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es nur um diese erste Berührung ihrer Finger geht, um den ersten Kuss, der die geballte Elektrizität des Universums in einem Punkt bündelt.

Und jetzt nur mal für die, die mir den Spoiler beim letzten Artikel vorgeworfen haben…beachtet den Klappentext…mir dünkt, es läuft auf das „erste Unglück“ hinaus. Das mindert aber übrigens ganz und gar nicht meinen Lesegenuss! Obwohl ich zugegeben muss, etwas irritiert von der Ähnlichkeit mit einer anderen Geschichte zu sein. Ihr erinnert Euch? Blackbird? Eine meiner ganz eindringlichen Buchempfehlungen?

Wenn man mich zwingen müsste zu entscheiden, welche Geschichte ich schöner finde, welche mich mehr berührt hat, dann wäre Blackbird der Favorit. Und der Vorgänger des „grossen Sommers“, die „Alten Sorten“ von Arenz hat mir ebenfalls noch besser gefallen. Aber das ist Kritik mit ganz spitzem Bleistift. Alle sind außerordentlich lesenswert.

Unseren Protogonisten, der hier und da auf diesen großen Sommer zurückschaut jedenfalls, hat diese erste Liebe geprägt. Nachhaltig.

Meine erste Liebe wollte mich glatt heiraten. Aber das kam für mich gar nicht in Frage. Tatsächlich höre ich hin und wieder von ihm. Besonders, wenn zuviel Alkohol im Spiel war, gab es merkwürdige Anrufe, die darauf hinweisen, dass er auch zu der Fraktion gehört, die ihre erste Liebe nur schwer vergessen können.

Oder nur schlecht mit Alkohol umgehen können?

Tja, ich kann nur sagen, dass mir das heutzutage auch so geht. Kaum mal ein paar Stunden getanzt und getrunken, schon muss ich mich ein ganzes Wochenende ausruhen.

Was soll ich sagen. Firmenparty war echt nett, der DJ gut, der Cocktailbar ging der Nachschub nicht aus und ich war in Feierlaune. Da half zur Kompensation nur morgendlich frisches Radfahren, ein Konterbier und sonst viel Wasser in der Sonne und fettige Speisen.

Erinnert Ihr Euch an die erste Liebe oder seid gar mit ihr zusammen? Hat sie Euch besonders geprägt? Ich freue mich auf Eure geheimsten Geheimnisse 🙂

Ich denke, ich brauche heute noch ein bisschen Ruhe und Wald, um den Kopf freizubekommen. Am Ende des Tages bin ich gerne und immer im Hier und jetzt.

23 Kommentare zu „Was bisher geschah…

  1. Hey,
    ein spannendes Thema. War deine Party der Polizeieinsatz? Nö, oder?
    Ich freue mich, dass du Spaß hattest und das Feierbiest in dir Freude gefunden hat. Egal, was der Tag danach so sagt… Das zählt nicht.
    Das Geheimnis ist keines, aber auch nicht einfach so erzählt…
    Insofern wünsche ich dir eine schöne Woche und ich mag das Sonnenbrillenfoto sehr- du siehst glücklich aus. Und hübsch und so.
    Bussi
    Nicole

    1. hahahaha….no der Polizeieinsatz war nur bedingt lustig. Nicht für mich zum Glück. Wenn man sich am liebsten an die Kehle gehen möchte, dann hat man ganz offenbar den Zeitpunkt zur Trennung überschritten…
      Ich meine mich zu erinnern, dass es bei Dir weit über 30 Jahre sind, Du also als Minderjährige geheiratet hast 🙂 Richtig?

      1. Richtigstellung haha: Wir sind 31 Jahre zusammen, davon 26 verheiratet. Knapp dem Minderjährigenstatus entschlüpft, hihi.
        Puh Beziehungspolizeieinsätze finde ich heftig.
        Sonnige Dienstagsgrüße (in der Regenpause)
        Nicole

  2. Friedrich und Beate? Puh ,… da bleibt mir glatt die Spucke weg und jegliche Romantik ist sowieso flöten! Wer denkt sich denn solche Namen für seine Protagonisten aus? Schlimm. Geradezu ein literatisches Verbrechen. Davon muss ich mich jetzt erst einmal bei einem Glas eisgekühlten Pinot Grigio auf dem Balkon in der Sonne erholen. Pfffft.

      1. Alles gut. Das sind ja bloß meine Befindlichkeiten und Assoziationen, weil ich selbst schreibe. Niemals nie hätte ich diese Namen gewählt. 😉

  3. Aber klar erinnere ich mich an meine erste Liebe. Ich treffe ihn alle paar Jahre, wir plaudern fröhlich, umarmen uns und jeder geht seines Weges. Ich mag ihn immer noch. Heiraten würde ich ihn aber nicht 😉 Das hatten wir allerdings auch nie vor.
    Es gab in meinem Bekanntenkreis tatsächlich einige Menschen, die ihre erste Liebe geheiratet haben. Inzwischen ist keines dieser Paare mehr verheiratet. Irgendwie witzig, dass ich, genau wie du, Paare kenne, die tatsächlich die erste Liebe nach Jahrzehnten wiedergetroffen und sich gleich nochmal verliebt haben. Warum funktioniert das eine nicht und das andere doch?
    Liebe Grüße
    Fran

    1. Das find ich richtig toll! So hätte ich das auch gerne.
      Was diese neue Dynamik betrifft, so hat mich auch das Buch ein bisschen aufgeklärt. Wobei….ich bin einfach nicht so ein Mensch, der zurückschaut. Ganz anders als der Protagonist, der diesen Sommer wieder und wieder durchspielt und: Spoiler!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Sie kommen wieder zusammen.

      1. Ach, das Zurückschauen wird so verteufelt… niemals zurück, immer nach vorn. Es gibt in meinem Leben aber so viele Dinge, an die ich mich wirklich gern erinnere und die mich glücklich machen. Die Erinnerung an meine Eltern zum Beispiel – da blicke ich gern zurück, auch wenn es gerade nicht hip ist 😉
        Äh ja und bis mein Erstlieben-Stefan und ich das so hingekriegt haben, sind durchaus ein paar Jahre vergangen. Ich schätze mal, es waren mindestens fünf.

  4. Und ich hab gedacht, wir können beim nächsten Treffen richtig fett Party machen und auf dem Tisch tanzen. Naja, vielleicht mit einer Woche Urlaub danach, ich bin nämlich auch nichts mehr gewohnt.
    Das Buch klingt interessant, Alte Sorten hat mir auch gefallen und meine erste Liebe war in Jesolo. Und meine Mama hat im Sommer die Briefe ausgegraben, die mir dieser süße Italiener damals schrieb. Es war sogar eine Haarlocke draufgeklebt. Meine Töchter und mein Mann haben sich kaputtgelacht über die Locke und ti amo.
    Liebe Grüße und ein Bussi
    Sigi

    1. hihihi….Party machen kann ich schon. Solange wir uns nur an diesem Abend sehen 🙂
      Jetzt ist mir klar, wieso Du so schöne Erinnerungen an das wenig beschauliche Jesolo hast. Ich hab meinen ersten Freund auch gegen eine Urlaubsliebe eingetauscht. Eine Griechische.

  5. Ach je die erste Liebe…..ich hab tatsächlich 4x den Griff mit ihm gestartet – der erste mit 16 – ach aufregend – dann immer mal wieder – und der letzte…hm…persönlich war es glaub ich 24 Jahre etwa – und noch mal online – das ist etwa 15 Jahre her…er hat geheiratet und einen Sohn….(Facebookstalking) Und ich wünsche ihm endlich zur Ruhe zu kommen mit seiner kleinen Familie

    Ich denke die erste Liebe wieder treffen. – man hat sich zu sehr auseinander bewegt – ich kann mir kaum vorstellen, dass das in den meisten Fällen gut geht.

    Von Anfang an…vielleicht

  6. Erstens, Respekt! Nach einer Feier, morgens Fahrradfahren. Da schaffe ich nicht (es liegt bestimmt am Nachschub). Zweitens, mir hat ein Pärchen erzählt, deren Großeltern haben sich direkt nach der Goldenen Hochzeit getrennt. Ich war richtig baff, nach solange Zeit. Natürlich fragte ich, warum nach solange Zeit? Die Antwort folgte, sie wollten noch die Feier mitmachen! Ok, da war sogar ich sprachlos! Liebe Grüße!

  7. Liebe Nicole – das finde ich bewundernswert, nach einer ausgiebigen Feier gleich am nächsten Tag in die Pedale zu treten. Bei mir ist eher so, dass ich den Tag nach einer längeren Veranstaltung – auch wenn meinerseits kein oder nur wenig Alkohol im Spiel war – eher ruhig und gemütlich angehe. Leckeres Essen und ein Buch darf es aber dabei natürlich gerne sein. So auch unlängst nach einem Klassentreffen der Grundschule – da war auch mein erster Freund, damals. also so vor über vierzig Jahren musste ich von meinen Schulkolleginnen erfahren, dass ich nach seinen Aussagen eigentlich schon seine Freundin bin 😉 So und jetzt werde ich mal etwas in deinem Buch schmökern.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles, alles Liebe Gesa
    P.S.: Sorry nochmals wegen dem Fauxpas vom letzten Mal – ich hoffe, der neuerliche Versuch ist angekommen.

  8. Liebe Nicole,

    Polizeieinsatz…. gibt es bei uns nicht. *lach* Zumindest nicht unmittelbar. Links von unserem Haus ist ein Spargelfeld und rechts in der Wiese die Rinder. Oh doch, die Rinder hatten schon mal für einen Polizeieinsatz gesorgt, die meinten, die Weide sei nicht groß genug oder hatten gerade mal Spaß die Welt hinter dem Zaun zu erkunden. Da war die Panik groß, bei beiden Rind und Bauern.

    Zum zweiten. Mein jetziger Mann, war meine zweite Jugendliebe und wir haben uns unsere 32 jährige Ehe erarbeitet mit höhen und tiefen und sind gemeinsam gewachsen. Nicht immer einfach… Aber bis jetzt ging es gut. Aber sag niemals nie. Eine Garantie gibt es nie.

    Liebe Grüße
    elke von elkevoss.de

  9. Hallo Nicole
    Mein Mann und ich sind auch seit dem Jugendalter zusammen, hatten eine Findungsphase mit Trennung und lieben uns jetzt mehr denn je 😄 Manchmal ist das Leben gut zu einem. Ich könnte mir keinen besseren Partner an meiner Seite wünschen ❣️ So, jetzt reicht es aber auch mit den Nettigkeiten 😄

    Wünsche dir einen tollen Tag!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

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