Kennt Ihr nicht? Hab ich ja auch gerade erst erfunden. Ich oute mich. Frank und frei mit wirklich schlechtem Gewissen und einer gewissen Verachtung für die eigene Schwäche…aber ich kann mit diesem Geheimnis nicht länger leben. Es geht los:

ICH GEBE ZU…

Wow….es ist schwer…

…MIR LEBENSMITTEL LIEFERN ZU LASSEN!

Jetzt ist es raus. Ich fühle mich erleichtert, dass ihr Bescheid wisst. Möglicherweise verurteilt ihr mich, aber zumindest bin ich ehrlich.

Die Flink App: in 11 Minuten da und bis 24 Uhr geöffnet. Einfach gut.

Und wenn ich schon ehrlich bin. Zu Euch. Gestehe ich, nicht mehr ohne die Popoheizung in meinem Firmenwagen leben zu können. Fahrradfahren? Was ist das? Ich bin vollkommen verweichlicht.

Bei 35 Grad am Hintern rufe ich die Flink-App auf, wähle schnell Milch, Joghurt, Krautsalat, Coke Light, Gewürzgurken und Senf und bestelle. Alles was schwer ist, alles außer frischem Gemüse und Backwaren. Wobei letztere auch, seit sie Terbuyken im Programm haben. Kaum bin ich 10 Minuten später zu Hause, steht ein junger Mensch mit Flink-Rucksack vor meiner Tür und übergibt mir den Einkauf. Natürlich gebe ich ihm Trinkgeld, denn wenigsten ein bisschen möchte ich seinen Fleiß belohnen, oder meine Faulheit sühnen.

Zu meiner Entschuldigung kann ich nicht viel vorbringen, außer: ich wurde verführt.

Es ist Morgens nun eben dunkel und kalt. Und klar habe ich jetzt die Auswahl zwischen dem zwar seelenlosen Passat und der wunderschönen Gazelle. Aber die Gazelle hat nur eine MS (Menschenstärke), keine Sitz- oder Lenkradheizung und null Knautschzone.

Und sie hat nur einen kleinen Einkaufskorb statt eines großen Kofferraumes. D.h. alles, was ich mir aus lauter Bequemlichkeit liefern lasse und damit Konzerne wie Amazon noch mehr unterstütze, passt in die Verführer-Karre.

ICH HASSE MICH!

Aber es gibt nun einmal dieses Angebot. Wäre es besser es nicht zu nutzen, um nicht als dekadent zu gelten und eine Ausbeutung von Arbeitskräften nicht zu subventionieren? Denn mal ganz ehrlich: das Geschäftsmodell muss zu Lasten der Mitarbeiter gehen.

Wie können diese Lebensmittellieferanten existieren, wenn sie gleiche Preise wie der Supermarkt anbieten, nur 1,80 EUR Liefergebühr nehmen und – und das ist der entscheidende Unterschied zu Lieferungen durch den Supermarkt selbst – innerhalb von wenigen Minuten da sind. Und es stimmt. Das sind sie.

Das Modell kann nur funktionieren, wenn sie extrem gute Einkaufspreise haben und ihre Mitarbeiter (die sie in großer Zahl brauchen angesichts der Schnelligkeit) mies bezahlen.

Nun bin ich in Sachen Mode ja immer ein Verfechter davon, vor den Billigmarken Zara, H&M und Co. zu warnen, denn auch sie nutzen Arbeitskräfte massiv aus, um Kleider für 29,90 EUR in 18 Kollektionen pro Jahr produzieren zu können.

Der Unterschied ist freilich, dass ich nicht verführt bin mehr, also 18 Kollektionen, Essen zu kaufen, weil es so billig ist. Abgesehen davon kaufe ich auch keine besch… Qualität, sondern die gleichen Produkte, zu denen ich im Supermarkt selbst gegriffen hätte. Einzig die Schlepperei überlasse ich den (überwiegend) sehr jungen Leuten, die sich ein Taschengeld verdienen. Könnte ich mein Gewissen beruhigen, indem ich vermute, dass es durch diese Services immerhin Arbeitsplätze gibt und auch wirklich alten Menschen (sofern sie ein Smartphone mit entsprechender App und ein PayPal Konto haben 😬) hierdurch geholfen ist?

Hm…nicht wirklich….aber wisst Ihr was. Mir doch wurst. Ich mache es trotzdem. Immerhin kommen sie alle mit dem Rad und die Umwelt wird nicht belastet. So wenig, wie mein Rücken.

SCHLEPPT IHR NOCH, ODER VERACHTET IHR EUCH SCHON?

Übrigens habe ich mir mittlerweile eine Tageslichtlampe und einen Sonnenaufgangs-Wecker – wie könnte es anders sein – liefern lassen (ich bin schlecht).

Der ist wirklich toll. Er weckt mich ab sofort mit einem simulierten Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher. Abgesehen davon kann man ihn einfach als Nachtlicht verwenden, oder ein Farbenspiel als Lichttherapie laufen lassen.

Er hat auch Radio. Ein geniales Teil.

So. Und nun werde ich meine Beine mal wieder selbst benutzen. Zum Shoppen kann ich mich gerade noch so schleppen. Zum Glück sind Klamotten nicht so schwer wie Lebensmittel. Kein Wunder, dass es mehr Spaß macht die in Persona zu kaufen.

Und bei Euch so? Habt Ihr was schönes geplant an diesem langen Wochenende?

Posted by:Nicole Kirchdorfer

Hi, meine Name ist Nicole und ich bin frische 51 Jahre alt. Ich lebe mittlerweile in Düsseldorf. Und das als geborene Kölnerin. Aber: ich werde geduldet! Aufgewachsen bin in Bayern, hatte eigentlich mein Herz an die Hessen verschenkt und bin nun doch happy in NRW gelandet zu sein. Ich interessiere mich für Mode, gute Bücher, Sport und gutes, gesundes Essen und möchte meine Leidenschaften gerne teilen. Mehr persönliches über mich erfahrt ihr auf Nikileaks.

32 replies on “Altersdekadenz

  1. Ich schleppe noch, bin aber kurz davor die in den „Sich-Verachtenden-Modus“ zu wechseln und den Flink-Lieferservice auch mal auszuprobieren. Bisher bin ich aber ein standhafter Lieferverweigerer geblieben, damit ich mich nicht noch weniger bewege als ohnehin schon. Uff. Mal sehen, wie lange ich das noch aushalte …

    Herzliche Grüße aus Hamburg
    S.

    1. Da bin ich längst drüber hinaus…ich sitze auf meinem Hometrainer, während ich auf Flink warte, hihi…
      Aus sporttherapeutischer Sicht kann ich nur sagen, die einseitige Belastung beim Einkauf-Schleppen ist nicht die beste Form der Bewegung 😎

  2. Hallo Nicole, das habe ich tatsächlich noch nicht gemacht. Ist aber praktisch, das muss ich zugeben. Mich nervt das Einkaufen auch sehr. Aber mein Mann und ich gehen einmal die Woche und machen einen wirklichen Großeinkauf. Da kommt alles mit, was gebraucht wird. So hält sich das mit der Supermarkt-Rennerei in Grenzen. Und schleppen muss ich auch nicht, macht mein Mann 🙂
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und LG Nicole

    1. Das ist natürlich auch eine sehr gute Alternative 🙂
      Ich mache da tatsächlich auch nur die Basis-Lebensmittel, die ich immer im Haus hab, die aber eben schwer sind. Ansonsten lasse ich mich eher vom Angebot vor Ort inspirieren…
      Hab ein schönes Wochenende liebe Nicole!

  3. Liebe Nicole – soso, also dekadent bist du jetzt geworden 😉 Lebensmittel dürfen jetzt geliefert werden. Diese Idee ist mir bisher noch gar nicht gekommen, denn der Supermarkt liegt nur ein paar Schritte die Straße entlang entfernt – sodass ich nicht mal wirklich Bewegung beim Einkaufen mache. Trotzdem hat er auch mal eine Werbeaktion für seinen Online-Shop gehabt – eine kostenlose Lieferung und zusätzlich einen Rabatt auf die Bestellung. Da wären doch tatsächlich die gelieferten Lebensmittel billiger gewesen als selbst einkaufen zu gehen. Ich denke, wir dürfen uns sehr wohl hin und wieder etwas gönnen, kein Mensch kann zu 100 % perfekt nachhaltig und umweltfreundlich und …. leben. Manches darf eben auch mal nur Spaß machen, nur Genuss sein oder nur dekadent sein. Also genieße deine Lieferungen auch ohne schlechten Gewissen und Begründungen.
    Hab ein wunderbares Wochenende und alles, alles Liebe Gesa

    1. Gesagt, getan, Gesa….nachdem der Feiertag am Montag bevorsteht musste der Arme besonders schleppen. Aber ich geh auch gleich noch selbst für Obst und Gemüse…
      Währenddessen schäme ich mich dann gaaaaaaaaaaaaaaaaaaar kein bisschen 🙂
      Schönes Wochenende!

  4. Ich glaub‘, ich steh‘ auch so kurz davor, Lieferung in Anspruch zu nehmen, vielleicht auch praktisch, wenn man mal krank ist und niemanden hat 😊 Funktioniert die von Dir vorgestellte App bundesweit?

    1. Bundesweit weiß ich nicht. Hab eben mal gegoogelt und er spuckt ff. Städte aus:
      Aachen
      Bonn
      Berlin
      Bottrop
      Bochum
      Chemnitz
      Düsseldorf
      Dresden
      Darmstadt
      Dortmund
      Essen
      Erlangen
      Frankfurt am Main
      Hamburg
      Heilbronn
      Köln
      Krefeld
      Kiel
      Karlsruhe
      Leipzig
      Ludwigshafen
      Mainz
      München
      Mülheim an der Ruhr
      Mannheim
      Moers
      Mönchengladbach
      Nürnberg
      Neuss
      Offenbach
      Oberhausen
      Regensburg
      Remscheid
      Stuttgart
      Wiesbaden
      Wuppertal

  5. Wir schleppen noch – aber wir haben den Online Einkauf auch schon getestet.Zwar gibt es auf dem Land noch nicht diesen Service am selben Tag beliefert zu werden – aber man kann auch schön in einem Onlinekaufhaus bestellen und es per Paketboten kommen lassen. Hat wunderbar funktioniert und wird auf jeden Fall des Öfteren in Anspruch genommen.

    1. Das ist natürlich ein Vorteil der Stadt….ich weiß zwar nicht, wie sich das rechnet, aber es ist ein toller Service. Nur bei der Auswahl von Obst und Gemüse traue ich dem Braten nicht. Das nehme ich einfach gerne selbst in die Hand, rieche, drehe und wende…

      1. Frisches Obst und Gemüse haben wir auch noch nicht probiert – aber Kühlware und Gefrohrenes – das kommt in Styropor (Ja nicht ganz Nachhaltig – aber man kann diese Boxen gut im Auto für eigene Einkäufe nutzen)

  6. Liefern lassen, vom Supermarkt selbst, war bei uns bisher zweimal Thema. Als die Kinder Babys waren. Und dann wieder während des Lockdowns. Das war plötzlich ein Boom und ich denke auch für viele, die in ihrem eigentlichen Beruf monatelang nicht arbeiten konnten, eine guter Überbrückungsjob. Wenn man dann doch mal selbst ging, blockierten die Warenzusammensucher im Supermarkt mit ihren großen Karren die Gänge. Der Trend ist aber jetzt vorbei, ich gehe auch wieder lieber selbst und suche mir die Sachen aus. Wir kaufen viel Frisches von der Theke und wenn dann die Fälligkeiten beim Liefern zufällig alle zu dicht lagen, war das blöd. Bei den unabhängigen Lieferdiensten habe ich auch Bedenken hinsichtlich der Arbeitsbedingungen. Bei uns kostet es dann eine Monatsgebühr, glaube 20 Euro in der Größenordnung. Wir hatten das mal ausprobiert, um Kosmetik von einem Geschäft zu bekommen, wo wir nicht hindurften als wir monatelang auf den eigenen Ort begrenzt waren.
    Umwelttechnisch sage ich mir, besser ein großer Lieferwagen fährt eine Runde, als dass alle Leute selbst hin kutschen. Radfahren ist cool aber bei schlechtem Wetter und großem Verkehrsaufkommen tun mir die Jungs leid.
    Tja, wie so oft gibt es Pro und Contra. Für alte Leute und bei Krankheit aber unbedingt eine gute Sache.
    Hab ein entspanntes WE, mit oder ohne Lieferdienst! Ciao aus Italien! Anke

  7. Liefern lassen, vom Supermarkt selbst, war bei uns bisher zweimal Thema. Als die Kinder Babys waren. Und dann wieder während des Lockdowns. Das war plötzlich ein Boom und ich denke auch für viele, die in ihrem eigentlichen Beruf monatelang nicht arbeiten konnten, eine guter Überbrückungsjob. Wenn man dann doch mal selbst ging, blockierten die Warenzusammensucher im Supermarkt mit ihren großen Karren die Gänge. Der Trend ist aber jetzt vorbei, ich gehe auch wieder lieber selbst und suche mir die Sachen aus. Wir kaufen viel Frisches von der Theke und wenn dann die Fälligkeiten beim Liefern zufällig alle zu dicht lagen, war das blöd. Bei den unabhängigen Lieferdiensten habe ich auch Bedenken hinsichtlich der Arbeitsbedingungen. Bei uns kostet es dann eine Monatsgebühr, glaube 20 Euro in der Größenordnung. Wir hatten das mal ausprobiert, um Kosmetik von einem Geschäft zu bekommen, wo wir nicht hindurften als wir monatelang auf den eigenen Ort begrenzt waren.
    Umwelttechnisch sage ich mir, besser ein großer Lieferwagen fährt eine Runde, als dass alle Leute selbst hin kutschen. Radfahren ist cool aber bei schlechtem Wetter und großem Verkehrsaufkommen tun mir die Jungs leid.
    Tja, wie so oft gibt es Pro und Contra. Für alte Leute und bei Krankheit aber unbedingt eine gute Sache.
    Hab ein entspanntes WE, mit oder ohne Lieferdienst! Ciao aus Italien! Anke

    1. Du sagst es. Wie bei allem im Leben gibt es pro und contra und im Grunde ist es wie man es macht verkehrt.
      Ich weiß zumindest, dass sie bei uns Läger außerhalb der Supermärkte haben, d.h. im Supermarkt merkt das keiner. Und wie gesagt. Ich lasse mir nur die Basics liefern. Und das klappt super.
      Schönes Wochenende in bella Italia!

  8. Wieso schämen? Das ist doch eine sinnvolle Dienstleistung. Nicht nur für alte oder kranke Menschen, sondern auch für gestresste Berufstätige. Würde ich auch machen, wenn mein Schmusi nicht den Einkauf erledigen würde…
    Schönes Wochenende wünscht dir
    Reni

  9. Hey,
    Ich finde es cool. Und den Sonnenaufgangswecker besitze ich schon x Jahre. Also jetzt den zweiten. Bestes Teil ever, weil man morgens ohne zu blinzeln aufwacht. Und wie ich SOFORT auf Betriebstemperatur. Und Popoheizung ( gibt ein fieses, aber lustiges Wort, das ic/ hier nicht sage) ist auch fein.
    Also: vielleicht dekadent, aber genussvoll. Ich finde es super.
    Hab ein prima langes Wochenende und sei geherzt aufs Feinste
    Nicole

      1. Der evangelischer Reformationstag ist der durch den Sonntag hinfällig geworden. Aber auch den hätte Berlin nicht. Aber den 1. November haben nur ziemlich wenige Bundesländer als Feiertag.

      2. Die Länder haben ja entweder den Reformationstag am 31. Okt. oder den 1. November mit „Allerheiligen“ – nur Berlin mit all seinen Heiden und mit seiner unchristlichen Regierung hat keinen von beiden.

  10. Hallo Nicole, zum Glück ticken Menschen unterschiedlich, sonst wäre die Welt nicht spannend. Und wichtig ist doch eigentlich nur, das man zu dem steht, was man tut. Deine Altersdekadenz passt gut zu Dir.
    Getränke lasse ich schon mal liefern und für die schweren Sachen habe ich einen Träger. Aber mir geht’s beim Einkaufen mehr um Inspiration als um Bequemlichkeit und da wir auch mitten in der Stadt wohnen zählt das Argument etwas vergessen zu haben eigentlich auch nicht. Und wenn am Sonntag Eier fehlen, gibt’s einen Plausch mit der Nachbarin. Aber vielleicht kommt eine Situation….
    Der Sonnenaufgangswecker ist bestimmt eine gute Wahl für Schlafmützen, meine Augen gehen seit Jahren von alleine auf, ich bin ein Lichtmensch. Und genieße die kommenden Wochen, denn da bekomme ich mehr Schlaf ab.
    Schönen Sonntag meinen Liebe und ganz liebe Grüße
    Sigi

  11. Ich schleppe tatsächlich immer noch. Auch ich nutze Online Dienste und gebe zu, Amazon z.B in Anspruch zu nehmen. Lebensmittel jedoch, kaufe ich alleine. Muss immer noch sehen, anfassen und öfter weiß ich nicht, was ich Kochen soll, bis ich in einem Laden bin. Aber… recht hast du, es wird immer mehr Online bestellt und ich kenne einige, die es auch gerne machen. Ich wünsche dir einen wunderbaren Sonntag liebe Nicole und sende liebe Grüße!

  12. Liebe Nicole, Lieferservice finde ich cool und habe ich schon oft dran gedacht. Aber wir wohnen auf dem Dorf, da hat man nicht so schnell hingeliefert oder die Lieferkosten sind dann immens. Aber unser Supermarkt im Nachbarort, der liefert auch. Was ich mir jetzt gegönnt habe ist ein Fensterputzer. Der kommt regelmäßig. Dekadent hin oder her.
    Liebe Grüße
    Gudrun

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