Hm….was für ein Glück, dass ich gestern ausgiebig im Wald war und jetzt einen legendären Trimmpfad-Muskelkater habe. Denn heute lockt einen ja so überhaupt gar nix raus. Es regnet und der Wind pfeift um die Ecken.

Perfektes Daheimbleib-Lesewetter. Da hätt ich mal wieder einen Tipp für Euch. Jetzt allerdings eher für die Frauen, wenn ich ehrlich bin, auch wenn ich geschlechtsspezifische Kategorisierungen bei Literatur überhaupt nicht abkann.

Aber bei „Das verbotene Notizbuch“ von Alba de Céspedes geht es um eine Ü40erin in den 50er Jahren, die in ihrem gefühlt verbotenen Notizbuch ihre geheimsten Gedanken festhält. Die, die weder Ihr Mann noch ihre Kinder erahnen sollen, denn sie würden sie verurteilen.

Ihre verwerflichen Sehnsüchte beginnen mit dem vollkommen illegitimen Kauf eines Notizbuches, das fortan ihr geheimes Tagebuch ist. Schon etwas Geheimes zu haben, ist das Verwerfliche, denn die Zeit, die sie zum Füllen der Seiten benötigt, geht von der Familie ab. Und weil niemand wissen darf, dass sie derart egoistisch ist, muss sie das Heft gut verstecken. Immerhin wird hierin einer ihrer sehnlichen Wünsche offenbar. Der nach einem eigenen Rückzugsort.

Sie kann kaum glauben, dass Ihre Lieben nicht wahrnehmen, wie sehr sie sich verändert, aber die sind mit sich selbst beschäftigt. Michele, ihr Mann, der sie ‚liebevoll‘ Mama nennt, hadert mit seinem Job bei der Bank und hofft auf eine zweite Karriere als Drehbuchautor, um seiner (und somit auch ihrer gemeinsamen) Mittelmäßigkeit zu entkommen. Ihr Sohn Riccardo bringt seine Freundin in Schwierigkeiten und schwankt zwischen der Beendigung seines Studiums, der Pflicht seine Marina zu heiraten und dem Jobangebot, dass er aus Argentinien hat. Und ihre Tochter …

… Mirella, lebt das Leben, dass sie verurteilt, aber beneidet.

Während sie sich im Büro gebraucht und beachtet fühlt, sogar begehrt durch ihren Chef, den sie heimlich Guido nennt, wehrt ihr Mann ihre Annährungsversuche irritiert ab. Schließlich ist man ja schon 50, nicht mehr jung. Sie schämt sich zutiefst und plötzlich wird ihr klar, dass aus der einstmals großen Liebe Zuneigung, Verbundenheit und Gewohnheit geworden ist.

Also flieht sie auch Samstags ins Büro. Da ist der Direktor. Verheiratet, so wie sie. Und er hält ihre Hand und nennt sie Valeria, nicht Mama, will nach Venedig mit ihr und versichert, dass eben nicht alles vorbei ist. Genauso, wie sie ganz heimlich bereits geglaubt und gewünscht und ihrem verwerflichen Notizbuch anvertraut hat.

Es beginnt und endet mit dem Notizbuch.

Ein durch und durch wunderbares Buch. Sensibel, feinsinnig, klug, tiefsinnig und melancholisch. Ich freue mich sehr, dass diese in der Versenkung verschwundene Schriftstellerin wiederentdeckt wurde und bin mit großer Sympathie der Erkenntnis der eigenen Sehnsüchte Valerias gefolgt.

Ansonsten war ich mal wieder in einem Schickeria-Medienhafen-Gedöns-Restaurant.

Es fasziniert mich, dass die Reichen der Reichen, die ganz ungezwungen in ihren horrend teuren Shabby Chic Designerzeug sich von derbem Service, mittelmäßigem Essen und trashigen Ambiente, noch mehr Kohle aus den Taschen ziehen lassen wollen. Nicht nur, dass man mal wieder eng gedrängt saß, mir die Bedienung bei jedem Gang an die Rückenlehne stieß, dann noch ein Glas Wasser über meine YSL Tasche gegossen hat (man, hat die Glück gehabt, denn ich hätte sie bei Wein oder Bier auf der Stelle getötet), nein, man muss auch noch richtig Kohle für Austern, Gambas und überteuerten Wein dalassen. Ein Lokal, das kein Mensch braucht, außer vielleicht diese Businesskasper, die sich nach Feierabend von ihrer Domina gscheit demütigen lassen (anders kann ich es mir nicht erklären).

Aber wenn man schon mal im Medienhafen unterwegs ist, kann man auch gleich richtig dekadent zum Absacker in die Meerbar gehen. Immerhin wissen die hier wie Service geht und die Lokation ist unbestritten ein Hingucker. Wie die Gästinnen (heißt doch jetzt so, gell?). Eine Frau heißer als die Nächste, alle aufgebrezelt bis zum Anschlag und ohne Männer unterwegs. Ich würde mal sagen: der ultimative Tipp für die Männer, deren Frauen lieber daheim sind und oben genanntes Buch lesen 🙂

Einmal muss ich heute noch in dieses usselige Wetter, um eine weitere Wohnung anzusehen. Kann nur hoffen, dass es sich lohnt.

Und bei Euch so? Kuschligen Sonntag allerseits!

29 replies on “Sunday, bloody, äh rainy sunday?!

  1. Ich drück Dir die Daumen für eine Traumwohnung. 😉 Die Meerbar sieht klasse aus. Ich war gefühlt ewig nicht aus. Lieferservice ja. Überlege grade was Du wohl zur Currywurstpizza sagen würdest die ich diese Woche mal geordert habe. Und nein ich hatte keinen Geruchs- und Geschmacksverlust. 😊 Okay heute bei dem Wetter ist das kein Unglück. Morgen darf ich wieder arbeiten. Isolation beendet.
    Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag, liebe Grüße Tina

  2. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass sich ein Ehepaar untereinander mit „Mama und Papa“ angeredet hat – da kam mir innerlich der Rogen hoch.
    Deine Schilderung über das Gedöns-Restaurant ist Jammern auf hohem oder noch höherem Niveau, aber Glück für die Bedienung, die nicht wegen deiner Tasche getötet werden musste 🙂 😉
    Lieben Gruß

    1. Hm…die Kritik verstehe ich nicht so richtig. Wenn ich in ein Restaurant gehe, habe ich die Erwartungshaltung, dass ich ein gutes Essen und netten Service bekomme. Je teurer das Restaurant, desto höher die Erwartungshaltung. Insofern empfinde ich mein ‚Jammern‘ als das korrekte Niveau…

      Und Mama oder Papa sagen ist für mich in jedem Alter indiskutabel. Aber das Buch ist echt toll!
      LG

      1. Ich habe natürlich sofort nachgesehen, ob ich das Buch ausleihen kann – da ich aber nur noch elektronisch lese, ist die Auswahl leider begrenzt. Der Name war aufgeführt, aber nichts zum Ausleihen.

  3. Ich schätze, ich habe heute den einzigen Ort in Deutschland gefunden, an dem es erst nachmittags geregnet hat:-) Also war ich heute früh bei zeitweise Sonnenschein am Meer unterwegs. Hab ich mir aber auch verdient.
    Nicht verdient hast du das Schicki-Micki-Restaurant. Mittelmäßiges Essen für viel Geld ist blöd. Ach, die Düsseldorfer Schickeria… da neben meinem Büro damals Ferraris verkauft wurden, kriegte man den einen oder anderen Kunden live und in Farbe mit.
    Und jetzt hoffe ich, dass die Wohnung es gelohnt hat, durch den Regen zu laufen!
    Liebe Grüße
    Fran

  4. Liebe Nicole, natürlich bin ich jetzt ganz gespannt, ob sich dein Ausflug in das bescheidene Wetter gelohnt hat und die Wohnung deinen Vorstellungen entspricht. Ich drücke dir jedenfalls schon mal fest die Daumen. Bei uns war gestern noch strahlenden Sonnenschein, zwar von stürmischem Wind begleitet, aber immerhin erhellend. Heute gibt es nur grau in grau und teilweise Schneeregen und natürlich wieder diesen unermüdlichen Sturm. Da ist es wirklich am besten, sich mit einem guten Buch auf die Couch zu kuscheln. Das Buch hört sich auf jeden Fall interessant an und eine Leseprobe ist auch schon bei mir gelandet. Jetzt brauche ich noch die Zeit, um darin zu vertiefen. Momentan machen es mir die Handwerker schon schwer, mich auf das Home-Office zu konzentrieren….
    Hab einen wunderbaren Tag und alles Liebe Gesa

    1. ähem…peinlich Gesa….aber am Ende des Tages war ich zu bequem bei dem Wetter rauszugehen. Die Wohnung war im Dachgeschosse, was eigentlich nicht meins ist, also hab ich es mir gleich geschenkt.
      Wenn ich erneut den Aufwand und die Kohle in die Hand nehme, dann soll es auch passen…
      Ich berichtet…
      Und bei mir steht Morgen um 8 Uhr auch der Handwerker. Der letzte hat die Toilette nämlich undicht hinterlassen 🙄

  5. Hey Schwesterherz,
    doofes Essen für viel Geld ist richtig doof. Wobei doofes Essen immer doof ist.
    Aber: Ein Mord hätte sich nicht gelohnt, denn hättest du deine Tasche auch nicht mehr gehabt….

    Bin gespannt, wie es mit der Wohnung weiter geht, alle Daumen sind gedrückt. Fest natürlich.

    Und das Buch klingt fein. Mama dürfen hier die Kinder sagen und der Gatte, wenn er in der dritten Person mit Kindern von mir spricht. Die dürfen nämlich weder Mutti zu mir sagen noch mich beim Vornamen nennen. Umgekehrt gilt selbstredend das Gleiche.

    Das Buch klingt in der Tat interessant. Münsteraner Tatort mochte ich immer, den letzten mal gar nicht.

    So, nun hab eine feine Woche, immer eine trockene Tasche und frohe Gedanken und Momente.
    Bussi vom Schwesterchen

    1. Also die Wohnung ist der Faulheit und dem Schietwetter zum Opfer gefallen….hatte eh zu viele Schrägen für meine Schränke 🙂
      Hauptsache ich darf Dich Schwesti nennen, hihi.
      Dir auch ne schöne Woche.

  6. Liebe Nicole,
    solche Lokale gibt es in München zahlreiche – ich meide sie, denn das brauche ich nicht – und viele andere auch nicht. Viele gehen dahin getreu dem Motto sehen und gesehen werden und Hauptsache ein Foto schnell auf Insta hochladen – einige glauben dann, dass sie wichtig sind 🙂 – oder was auch immer.
    Auf jeden Fall schön geschrieben und zum Schmunzeln ist der Beitrag auf jeden Fall.
    Schöne Woche – mit vielen guten Gedanken!
    Martina

  7. Danke für den Buchtipp, deiner Beschreibung nach meins, kommt auf die Liste. Und zu den Lokalen. Ich mag’s schon gern stylisch und schick, aber das Gesamtpaket muss passen. Ich sag immer, die Karawane zieht weiter, dahin wo’s gerade neu und „angesagt“ ist. Die, die bleiben, sind dann die echten Gäste.
    Liebe Grüße und schöne Woche für Dich
    Sigi

  8. Hallo Nicole,
    das Wetter ist gerade einfach nur blöd. Da hast du recht! Ich wünschte mir, dass ich auch mit der kleinen Maus einfach mal spazieren gehen könnte, ohne immer nass zu werden.

    Wie war denn die Wohnungsbesichtigung?

    Wünsche dir einen tollen Tag!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

  9. Die Meerbar habe ich ja schon auf Instagram bestaunt. Der Name ist einfach sooooo meins 🙂

    Und ein Notizbuch sollte frau auf keinen Fall unterschätzen. No! Da hast du wirklich ein ganz charmantes Buch vorgestellt. Das sind Schätze, finde ich.

    Genauso ein Schatz sind halt besagte Notizbücher, die ich verschenkt habe. Bringen jeden zum Lachen oder zum Schmunzeln, ja nach Humorgrad.

    Ich wünsche dir eine weniger uselige Woche. Ein paar sonnige Tage stehen uns ja bevor. Viel Glück beim Wohnung besichtigen, meine Liebe!

    LG vom Main sendet dir Sabina

  10. Danke, Nicole, für den Buchtipp, der mich sehr anspricht. Leider hat es die Düsseldorfer Onleihe nicht. Also kommt es auf die Wunschliste.

    Dass du ausgerechnet in der Meerbar besseren Service erlebt hast, erstaunt mich. Was mich aber hier in unserer Stadt fast noch mehr nervt, ist die Tatsache, dass man nur einen Fuß ins Lokal setzt und sofort die Frage kommt: „habt Ihr reserviert?“. Und zwar gefühlt zu jeder Tageszeit, zum Beispiel Mittwochs um 10 Uhr im Frühstückscafé – alle Tische besetzt! Man kann nicht einfach mal spontan zum Essen gehen. Empfindest du ähnlich?

    1. Onleihe? Was ist das denn?

      Also was die Reservierung betrifft, gebe ich Dir recht. Wobei die Spontanität meines Erachtens eher durch Corona leidet. Ein Grund, warum ich mich auf Frühling und Sommer freue. Die Tische drinnen mit den Abstandsgeboten (so sie denn eingehalten werden, was in den vermeintlichen Szenelokalen definitiv nicht der Fall ist), sind halt doch sehr limitiert. Und wenn sie aufgrund dessen nur 2 Stunden slots vergeben, dann bin ich schon auch genervt.
      Aber ganz ehrlich bin ich eine Zeitlang auch exzessiv Essen gegangen, weil ich immer befürchtet habe, dass sie demnächst wieder zumachen…

      Wie auch immer. Es ist für die Gastronomen insgesamt ganz schön stressig…diese ganzen Kontrollen im ’normalen‘ Betrieb sind schon auch absurd. Und ich gönne ihnen sehr, wenn sie ihre Umsatzeinbußen wieder reinholen könnten.

      Ich bin gespannt, wie das Dänemark Projekt ausgeht und ob Deutschland dann nachzieht und somit wieder mehr Spontanität zugelassen werden könnte. Ich drücke uns allen die Daumen, dass es bald soweit ist. Oder der Sommer frühzeitig kommt 🙂

  11. Danke für deinen Buchtipp. Hört sich gut an und kommt auf meine Liste. Langsam muss ich mal was kaufen, sonst wird sie immer länger. Dein Restaurantbesuch hat mich schmunzeln lasse. Aber das habe ich auch schon erlebt.
    Ich wünsche dir was.
    Liebe Grüße
    Gudrun

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