Was für ein grandioser Satz im Hinblick auf die etwas schal gewordene Sexualität zwischen Peter und Rahel, den Protagonisten aus „Der Brand“. Was oder wo es hier brennt erzähl ich gleich. Mit Wonne.

Apropos Wonne. First things first. Ich war mal wieder in der alten Heimat. Völlig losgelöst. So zumindest schien es mir. Als hätte es Corona nie gegeben fand mein Lieblingsfest, das Kranzplatzfest dieses Jahr statt. Alle waren euphorisiert. Erdbeerbowle floss in Strömen, die Musik war laut und gut, es wurde bis zum Umfallen gequatscht und gelästert („Mann, sind die alle alt geworden!“ – also nur die anderen natürlich) und getanzt was die lateinamerikanischen Hüften hergaben. Einfach mal wieder so richtig schön. Und am schönsten war natürlich alles mit dem besten Kumpel und streckenweise mit der Family verleben zu dürfen.

Pupsi hat die Strecke souverän gemeistert. Nunmehr habe ich entdeckt, dass er sogar einen Tempomat hat. Leider hat er aber nun einen winzigen Popo, so dass meine fertig-gerahmten Bilder bis Samstag auf Ihre Abholung warten müssen, denn die gehn nit rin (wie der Hesse sacht).

Da muss Frau Ungeduld sich einmal mehr die Ohrläppchen reiben und ein langezogenes Wuuuusaaaaa intonieren.

Wurscht.

Natürlich habe ich in Wiesbaden auch meine liebe Büchergilde besucht und fand mich extremst geschmeichelt, weil die Inhaberin meinen Blog liest. So zumindest legt die Frage nach meiner neuen Wohnung nah. Und wie früher habe ich mich 100% auf Ihre Empfehlung verlassen, bei funktionierendem EC-Gerät bezahlt und gleich beim Kaffee in den Brand reingelesen. Von Frau Krien hatte mir ja schon „Die Liebe im Ernstfall“ sehr gefallen.

Kaum war ich nach diesem entspannten Wochenende daheim, habe ich mich den kompletten Sonntag festgelesen. Um 22 Uhr war ich durch. Nicht, ohne ein Tränchen der Rührung vergossen zu haben.

Der Klappentext ist ja schon aussagefähig. Rahel, frisch in den Wechseljahren, frisch enttäuscht von der ablehnenden Haltung ihres Mannes in Sachen Sex, bucht einen Hüttenurlaub in Österreich, der sie ihrem Mann wieder näherbringen soll. Zwei Tage vor der Reise brennt besagte Hütte ab.

Da gleichzeitig eine alte Freundin um Hilfe für die Betreuung ihres Hofes bittet, deren Mann muss sich einer schweren OP unterziehen, machen beide aus der Not eine Tugend.

Und was sie da auf dem Hof finden ist eine Menge. Eine Menge Auseinandersetzung, eine Menge Geheimnisse und eine Menge Trauer.

Rahel hadert damit, dass Peter sie nicht mehr als Frau wahrnimmt. Sie kennt diesen Vorgang aus ihrer langjährigen Praxis als Psychologin, aber auch die Fachfrau ist natürlich nicht menschlicher Gefühle beraubt, selbst, wenn sie (Fluch UND Segen) alles rational erklären kann. Dennoch schmerzt sie Peters Rückzug.

Hinzu kommt, dass in den Ehe-Wiederbelebungsurlaub noch die (ungeliebte) Tochter mit ihren Söhnen hereinplatzt. Es stellt sich heraus, dass sie ihren Mann verlassen will und nach über 30 Jahren endlich zu wissen glaubt, was sie mal werden will.

Das mit den Kindern hat sie dabei freilich nicht bedacht und dass ihre Mutter sie womöglich nicht wieder aufnehmen möchte auch nicht. Und das, obwohl sich Rahel eingestehen muss Ihre Tochter in Babyjahren zu ihrer Mutter abgeschoben zu haben, um zu studieren und womöglich für deren Bindungsprobleme verantwortlich ist.

Der Urlaub verdirbt immer mehr, als sie den Geheimnissen eben jener Mutter auf die Spur kommt und sie angesichts des nahenden Urlaubsendes, beginnt an ihre Arbeit zu denken.

„Satte Zeiten bringen schwache Menschen hervor“. Einer von vielen wunderbar zynischen Sätzen, die ein Quäntchen Wahrheit beinhalten, wie ich finde.

Es muss fürchterlich sein, als Psychologin zu arbeiten 🙂

Derweil geht ihr Mann vollkommen in der Pflege der Tiere auf und überlegt, ein paar Monate als Senner arbeiten zu wollen. Von „Wir“ ist keine Rede mehr.

Und obwohl das Buch mit dem Tod eines wichtigen Menschen endet, den Frau Krien bzw. Rahel so wundervoll beschreibt (und mich damit schmerzlich an einen kürzlich verstorbenen Freund erinnert hat), ist es nicht negativ, es ist kein bisschen schwermütig. Es ist feinsinnig, lakonisch, streckenweise ziemlich witzig, schonungslos und tiefgründig. Einfach saugut.

Ich habe es verschlungen und empfehle es uneingeschränkt. Wobei…es vermutlich eher Frauen gefällt. Obgleich Männer es vielleicht zu Studienzwecken lesen könnten sollten 🙂

So. Hoffe, ich habe Euch Appetit gemacht. „Der Brand“ gibt es von Diogenes. Wobei die Büchergildenausgabe in gebundenen Leinen natürlich viel schöner ist. Einfach Mitglied werden! Wer (schöne) Bücher liebt, ist hier wunderbar aufgehoben.

Und Ihr so? Was stand an am langen Wochenende?

12 replies on “Wenn sich das Wild vor die Flinte legt

  1. Und ich so … liebe die Aufmachung der Bücher von der Büchergilde Gutenberg und habe Sonntag mit der Liebsten und dem Nachbarn getrommelt, ich am Schlagzeug, sie auf Kongas. Später Kino: Heinrich Vogeler – Aus dem Leben eines Träumers.

  2. Klingt in der Tat lebensnah und schön, das Buch.. Ich freue mich mit dir, dass du wieder in der Heimat warst und ich so unsere Eltern (??) bildlich kennenlernen durfte.
    Freundschaft ist fein und so lebenswichtig.
    Hab eine feine Woche und liebste Grüße
    Nicole

  3. „Satte Zeiten bringen schwache Menschen hervor“
    😁
    Klingt interessant – ich denke, ich werde es in meiner Liste aufnehmen.
    Die Ausgaben der Büchergilde sind wirklich wunderschön! Ich hab selbst einzelne Exemplare.

  4. Hallo, ich habe gleich mal nach dem Buch als eBook geschaut – aber es ist nur zum Hören ausleihbar – und das mag ich nicht.
    Mit deinen Bildern und dem zu kleinen Pupsi: Könntest du sie nicht zwischen Rück- und Vordersitzen hinstellen, wenn sie für den Kofferraum zu groß sind. Oder sind die soooooooooooooooo riesig, dass sie in der Länge auch dafür zu groß sind – alse mehr oder weniger wandfüllend???
    Gruß zu dir

  5. Büchergilde? Ich erinnere mich schwach. Gibt es die noch? Echt? Ich hab Bibliotheksausweis, weil alles andere würde mich momentan arm machen…

    Wie auch immer: Die Geschichte klingt irgendwie – realistisch? Und ja, als Psychologin bzw. Psychotherapeutin zu arbeiten muss ganz schrecklich sein. Da bleib ich lieber Patient. Ist besser so.

    Liebe Grüße
    Fran

    P.S. Dein Bruder *grins* sieht sehr sympathisch aus 🙂

Kommentar verfassen