Ist einer ganz dummen Idee gewidmet.

So der Titel des Buches, dass an einem letzten Tag des Jahres spielt. Was könnte heute passender sein? Tatsächlich wollte ich es zu Beginn nach ein paar Seiten weglegen, weil es mir im ersten Moment zu seicht erschien und ich überlegte ob ich die Zeit für knapp 500 Seiten aufbringen wollte. Aber schon ab Seite 20 wird es ernst(haft) lustig, denn Fredrik Backman greift auch hier wieder das Thema Selbstmord (wenn nicht Silvester, wann dann?) auf, wie bereits im „Ein Mann namens Ove“. Diesmal springt ein Mann von einer Brücke. Er selbst und die Brücke als Sinnbild für Suizid stehen im Fokus des Romans. Und bei der Danksagung wird klar, warum der Autor sich so mit dem Thema auseinandersetzt:

Nun kann man sich fragen, was zum Henker will sie uns sagen, warum so düster zum Jahresende?! Hey, Ihr kennt mich doch. Ich würde Euch nicht mit Schwermut belästigen, wäre das Buch nicht gleichzeitig eines der witzigsten und warmherzigsten Exemplare, die mir in 2022 unter die Augen gekommen sind.

Und bevor alle aussteigen, weil doch viele keine Lust auf Rezensionen haben, lasst mich noch eine Passage zeigen, die gleichzeitig ausdrückt, was ich Euch zum Jahreswechsel wünsche:

Ok. Alle, die keinen Buchtipp wollen, können jetzt noch kurz Bilder scrollen und sich in die Feierlichkeiten verabschieden. Viel Spaß und schön aufpassen 🙂

Für alle anderen: Es ist kompliziert. Eine Geschichte, die von dem schlechtesten Bankräuber, dem schlechtesten Geiselnehmer, den schlechtesten Zeugen und den renitentesten Geiseln handelt. Kurzum turbulent.

Ein Mann springt von einer Brücke. Zuvor versucht ein Kind ihn davon abzuhalten, aber es muss tatenlos zusehen. Nur Wochen später, getrieben immer und immer wieder die Brücke aufzusuchen, hält er ein Mädchen in der gleichen Situation vom Sprung ab. Dabei wird er von einer älteren, sehr reichen Frau beobachtet, die die Brücke ebenso genau studiert und einen ungeöffneten Brief 10 Jahre lang mit sich herumträgt. Der Junge wird Polizist und somit einer der ersten am Tatort der Wohnungsbesichtigung, die in einer Geiselnahme endet. Wobei…enden tut sie darin nicht, denn es stellt sich heraus, dass die (wahrlich aufmüpfigen) Geiseln eine Art Stockholmsyndrom entwickeln. Sie solidarisieren, psychologisieren und betrinken sich, größtenteils im Wandschrank und ersinnen einen Plan, um den gescheiterten Bankräuber und dilettantischen Geiselnehmer zu retten, der sich einfach zu dumm anstellt, um böse zu sein.

Also da hätten wir eine alte Dame (die den Wein im Wandschrank findet), deren Mann mitnichten beim Parken ist, sondern tot, der aber sicherlich vor lauter Lachen die gegenüberliegende Wand mit Ei vollgespritzt hätte.

Wir haben das lesbische Ehepaar Julia (hochschwanger und höchst aggressiv) und Ro:

Und natürlich Zara, die ihre Psychologin und die Polizei zur Verzweiflung treibt, aber nur mit Hardcore Heavy Metal auf den Ohren Ihre Angst in Schach halten kann.

Und natürlich Anna-Lena, die sich schuldig fühlt ihren Mann Roger überflügelt zu haben und ihn mit einem Kaninchen (in Menschenform) bestätigen will.

Bleiben noch die Maklerin und der Geiselnehmer. Macht 8 Personen. Herauskommen am Ende 7. Der Geiselnehmer bleibt verschwunden und die schlechten Zeugen lenken ab.

Eine rasant komische, tiefsinnige, zum Schreien lustige und zum Heulen schöne Geschichte, meisterlich verwoben.

Denn im Laufe des Buches lernen wir wie alle um die Brücke herum zusammenhängen. Dass zum Beispiel Zara, wie eingangs erwähnt, den Jungen beobachtet hat, der das Mädchen vom Sprung zurückhielt. Der Junge wurde Polizist, das Mädchen Psychologin und nur ihr kann Zara den Brief des Gesprungenen anvertrauen, den dieser der Bankdirektorin Zara schrieb und den sie 10 Jahre nicht öffnen konnte. Achtung Spoiler > weil es so wundervoll und so wichtig ist:

Zwei abschließende Bemerkungen:

  1. ich würde mich freuen, wenn Ihr dieses Buch lest
  2. Immer dran denken: es ist nicht Deine (meine) Schuld

Nun werde ich mich demnächst (in roter Unterwäsche!) auf den Weg machen, um im kleinen, aber umso netteren (und erschreckend trinkfesten) Kreis das Jahresende, bzw. den Anfang zu begehen.

Alles muss Euch passieren. Und es muss wunderbar sein!

Habt einen guten Rutsch!