Ein Debutroman, der es in sich hat. Finde ich. Finden bzw. fanden renommierte Kritiker aber so gar nicht.

Ich mache gerade die Erfahrung, dass ein Buch, dass ich richtig gut fand von ernstzunehmenden literarischen Rezensenten der Zeit und des Spiegels auf das übelste zerrissen wird. Umgekehrt ist mir das schon häufiger so gegangen, wenn nämlich Bücher hochgelobt werden, die es nicht schaffen mich zu begeistern.

Aber….ich lasse mich jetzt einfach mal nicht beirren und empfehle VOX trotzdem. Weil, mein Abstand zu Margaret Attwoods Mägden groß genug ist, so dass ich den Abklatsch gar nicht erkennen kann (auch bei genauer Überlegung erschließt sich mir dieser Vorwurf nicht) und weil ich ohnehin kein – bitte keine Stürme der Entgeisterung – #meetoo Anhänger (bewusst ungegendert) bin, womit auch eine Beschädigung des Feminismus für mich nicht plausibel ist.

Mich hat es gepackt, weil die Vorstellung pro Tag nur 100 Wörter zur Verfügung zu haben und darüber hinaus weder lesen noch schreiben zu dürfen, der blanke Horror wäre. Und also packt mich einfach nur die Idee des Buches, unabhängig davon, dass die technische Machbarkeit von Wortzählern in Armbandform, die über 100 Wörter hinaus Stromschläge austeilen und nie geladen werden müssen eventuell fragwürdig sind.

Aber mal ehrlich…wen interessiert denn die technische Machbarkeit, die wohl hoffentlich niemals zu überprüfen sein wird. Es geht doch darum, was es mit der gezeichneten Gesellschaft der „Reinen“ auf sich hat. Wie z.B. verwandeln sich vermeintlich liberale Ehemänner, wenn Frau tatsächlich eingeschränkt wird. Welchen Einfluss kann patriarchalisches Denken bewirken? Wie nachvollziehbar ist angesichts der Anziehungskraft der neuen Ordnung der Vergleich mit dem Nationalsozialismus?

Ich gebe zu, die Liebesgeschichte hätte es womöglich nicht on top gebraucht, aber sie illustriert den Kontrast zwischen dem Revoluzzer-Liebhaber und dem Folgsamen-Ehemann, so dass insgesamt ein spannender Roman herausgekommen ist, bei dem für jede Frau (und womöglich Mann) etwas dabei ist und der einen durchaus nachdenklich zurücklässt.

Für mich ein rundherum stimmiges Buch mit (etwas zu) versöhnlichem Ende, dass ich schnell gelesen habe….solange ich noch darf 😉

Eines weiß ich genau: die Fähigkeit zu kommunizieren – verbal, schriftlich, durch Zeichensprache, oder wie auch immer – ist für mich essenziell!a Angesichts der Taubheit meiner Oma, die sich nun schon über Jahre hinzieht, ist mir mehr als deutlich, wie einsam wir ohne Sprache und Schrift sind. Reden allein ist natürlich nicht alles (das könnte sie ja noch), aber sie kann keine Dialoge führen. Aufgrund ihrer mittlerweile schlechten Augen kann sie auch meine Briefe nicht mehr lesen und auch keine schreiben.

Der Verlust kommunizieren zu können, ist für mich gleichbedeutend mit Tod, denn er schließt Menschen komplett aus dem sozialen Leben aus.

Einmal mehr fühle ich mich erinnert an die Lockdownphasen von Corona, als uns – erst da – bewusst wurde, welche wunderbaren Möglichkeiten und Freiheiten wir hatten. Erst, als man uns sie nahm, wollten wir uns unbedingt treffen, reisen und ausgehen, Filme, Museen, Theater, Ausstellung usw. ansehen. Denn all das bedeutet Leben.

Ich schreibe also lieber gleich heute das Wort zum Donnerstag und postuliere eindringlich: Quatscht, was das Zeug hält, solange ihr könnt! Bei Bedarf lese ich es auch vor, oder spreche drüber 😉